Wie schwierig ist Regieren geworden? Mit Shakuntala Banerjee und Jens Südekum

Shownotes

Die nächste Regierung ist noch nicht im Amt, aber schon jetzt steht fest: Die Herausforderungen, vor denen sie steht, sind riesig. Noch nie stand die transatlantische Partnerschaft so unter Druck und noch nie hatte eine in Teilen rechtsextreme Partei eine solche Macht im Bundestag. Der ist mittlerweile neu zusammengekommen. Zuvor hatten Union und SPD mit den Stimmen der Grünen noch die Grundgesetzänderungen zur Reform der Schuldenbremse und dem Sondervermögen für Infrastruktur durch den alten Bundestag gebracht. Das gibt ihr finanziell nie da gewesenen Spielraum - aber nur bei Verteidigung und Infrastruktur. In anderen Bereichen klafft bei den Koalitionsverhandlungen noch ein weites Loch im Kernhaushalt.

In Anbetracht der schier endlosen Anzahl an Herkulesaufgaben, die die Regierung in spe zu meistern haben wird, fragt sich Anne Will gemeinsam mit der ZDF-Journalistin Shakuntala Banerjee in dieser Folge: Ist Regieren schwieriger geworden? Banerjee, die das Ende der letzten GroKo und die Ampel-Regierung in ihrer Zeit als stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios eng begleitet hat, ist sich sicher: Regieren ist heute tatsächlich schwieriger. Krisen habe es natürlich auch schon früher gegeben, auch knappe Kassen. Heute habe aber alles eine größere Dimension und eine ungleich höhere Geschwindigkeit. "Der Geduldsfaden ist mittlerweile relativ kurz", sagt Banerjee. Dennoch dürfe man auch angesichts der sich auftürmenden Krisen wie Rechtsruck, gebrochenen Wahlversprechen, kriselnden transatlantischen Beziehungen, Ukraine-Krieg und wirtschaftlichem Abschwung nicht die Zuversicht verlieren. "Diese Endzeitstimmung ist nicht angebracht, wenn man auch an die Erneuerungskräfte von Demokratie glaubt", sagt Banerjee.

In dieser Folge blickt sie mit Anne Will außerdem auf den Vertrauensverlust, den Friedrich Merz schon vor Antritt seiner Kanzlerschaft verbuchen muss und auf die Aufgaben, denen sich auch der Journalismus in diesen herausfordernden Zeiten gegenübersieht.

Der Redaktionsschluss für diese Folge war Mittwoch, 26. März 2025, um 17:30 Uhr.

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WICHTIGE QUELLEN:

SZ, Demokratie unter erschwerten Umständen, 25.03.2025

FAZ, So gibt die SPD in der Wirtschaftspolitik den Ton an, 25.03.2025

Die Zeit, Zu viel versprochen, 24.03.2025

Spiegel, Die Angst der Union vor den [eckigen Klammern], 24.03.2025

SZ, Koalitionsgespräche sind ins Stocken geraten, 23.3.25

Spiegel, Bundesrat stimmt Milliardenpaket zu – worum sich Merz jetzt kümmern muss, 21.03.2025

IMPRESSUM Redaktion: Felix Schlagwein, Melisa Gürleyen Executive Producerin: Marie Schiller Producer: Maximilian Frisch, Patrick Zahn, Lukas Hambach Sounddesign: Hannes Husten Vermarktung: Mit Vergnügen GmbH Eine Produktion der Will Media GmbH

Transkript anzeigen

00:00:00: Mit welchem Gesellschaftsspiel denkst du,

00:00:02: könnten sich Union und SPD jetzt aufs Regieren vorbereiten?

00:00:06: Ich geb dir zur Auswahl zum Beispiel,

00:00:08: aber du kommst selber drauf, Mensch ärger dich nicht,

00:00:11: Monopoly, Schach?

00:00:13: Ich hab tatsächlich sofort an Mensch ärger dich nicht gedacht,

00:00:16: weil ich's neulich noch im Urlaub sehr ausführlich gespielt habe

00:00:19: und gemerkt habe, wie schnell man sich in Rage spielen kann,

00:00:22: weil man denkt, das Schicksal sei ungerecht

00:00:25: und man habe die falschen Entscheidungen getroffen.

00:00:28: Wenn die Partner gewöhnen, ist sowohl innerlich

00:00:31: als auch in der Außendarstellung.

00:00:33: (Dynamische Musik)

00:00:34: Politik mit Anne Will.

00:00:41: (Dynamische Musik)

00:00:42: Wie schwierig ist Regieren geworden?

00:00:55: Auf der Frage wollen wir in dieser Folge unseres Podcasts

00:00:58: herumdenken. Willkommen dazu.

00:01:00: Hallo, hallo, freu mich sehr, dass ihr da seid, uns zuhört

00:01:04: oder aber auch bei YouTube zu seht, denn das geht ja auch.

00:01:07: Wie schwierig ist Regieren geworden?

00:01:10: Ist eine gute Frage, fanden wir im Team,

00:01:12: haben dann kurz mal gegoogelt und festgestellt,

00:01:15: die wird offensichtlich immer wiedergestellt,

00:01:17: wann immer es eine Bundestagswahl gab.

00:01:20: Oder aber große Krisen unser Land erschüttern,

00:01:22: dann fragt man das.

00:01:24: Wir wollen wissen, was ist denn jetzt anders?

00:01:26: Inwiefern sieht sich die neue Bundesregierung,

00:01:29: wenn sie denn zustande kommt, mit Bedingungen konfrontiert,

00:01:33: die es so noch nicht gab?

00:01:35: Weltpolitisch, transatlantisch, innenpolitisch,

00:01:38: parlamentarisch, personell, finanziell, all das wüsste ich gerne.

00:01:43: Und über all das kann ich nachdenken mit, freut mich total

00:01:47: mit der ZDF-Kollegin Shakuntala Banaji,

00:01:50: die mittlerweile seit November Leiterin der ZDF-Hauptredaktion

00:01:54: "Politik und Zeit" geschehen ist,

00:01:56: vorher stellvertretende Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios

00:02:00: und Moderatoren von Berlin direkt war.

00:02:02: Ihr kennt sie sowieso alle aus zig Schalten,

00:02:05: die sie in die diversen Nachrichtensendungen des ZDF gemacht hat.

00:02:09: Hallo, Shakuntala, ich freu mich total.

00:02:11: Hallo, ich freu mich auch, dass ich da sein darf.

00:02:13: Ich freu mich auch, dass du im Urlaub Zeit hast

00:02:16: und Bock drauf hast, Mensch, agere dich nicht zu spielen.

00:02:19: Ich freu mich, dass ich die Dinge, mit denen man sich die Zeit vertreiben

00:02:23: kann, wenn das Wetter mal schlechter ist.

00:02:26: Das war jetzt auch, ist schon ein paar Monate her, muss ich dazu sagen.

00:02:30: Da hab ich's wieder entdeckt.

00:02:31: Es lehrt auf jeden Fall Geduld, auch wenn ich festgestellt hab,

00:02:35: dass wir es falsch gespielt haben,

00:02:37: hat mir tatsächlich jemand auf Instagram neulich beigebracht.

00:02:40: Du musst nicht eine Sechswürfel um rauszukommen,

00:02:43: du stellst dein erstes Männchen direkt raus.

00:02:45: Da hätten wir schon viel Zeit mitsparen können.

00:02:48: Wobei ich zugebe, ich hab's nicht gegen recherchiert.

00:02:51: Obacht, das könnte auch eine Falschmeldung sein.

00:02:54: Recherchieren ist aber dein Sport und Timing, glaub ich nicht.

00:02:58: Denn was war das für ein Timing,

00:03:00: dass du am 1. November nach Mainz gewechselt bist?

00:03:04: Da hast du die Leitung der Hauptredaktion übernommen.

00:03:07: Fünf Tage bevor die Ampel auseinanderfliegt

00:03:10: und Donald Trump gewählt wird.

00:03:11: Es Neuwahlen gibt, jetzt die Regierungsbildung läuft

00:03:14: und und und und du bist nicht mehr jeden Abend auf Sendung.

00:03:17: Fehlt ihr das?

00:03:18: Ja und nein, natürlich ist es,

00:03:21: wenn man jetzt mehrere Jahre hintereinander erst die Große Koalition

00:03:27: begleitet hat und dann die Ampel begleitet hat

00:03:29: und dann ja auch immer wieder in diesem Konzert der Stimmen war,

00:03:32: in denen es hieß, oh, aber bald ist es vorbei mit der Ampel

00:03:35: und dann war es doch nicht so.

00:03:37: Ein kleines Störgefühl, wenn man dann da sitzt

00:03:40: und nicht mehr ganz nah dran ist.

00:03:43: Aber ich war ja dann doch wieder erstaunlich nah dran.

00:03:46: Wir haben die US-Wahl begleitet mit einer Sendung die ganze Nacht durch.

00:03:50: Wir haben da acht und ein halb Stunden moderiert.

00:03:52: Hab ich gesehen, fand ich sehr gut.

00:03:55: Dankeschön. - Ich hab die Moment sehr gut gemacht.

00:03:57: Wir haben uns da vorbereitet auf eine Spezialsendung am Abend danach.

00:04:02: Das ist so üblich, dass man sagt, jetzt schauen wir mal,

00:04:04: was heißt das alles für die USA?

00:04:06: Ganz viele Dinge vorbereitet.

00:04:08: Wir wollten auch gucken, was bedeutet das für Deutschland,

00:04:11: für Europa.

00:04:12: Ich hatte mich kurz hingelegt.

00:04:14: Das muss man dann ja auch mal einmal kurz die Augen zugemacht

00:04:18: und kam dann mittags wieder ins Hauptstadtstudio

00:04:20: und traf dort auf meine Kollegen, die mir sagten, jetzt ist es ernst.

00:04:24: Also heute scheint der Tag zu sein an dem, was passiert

00:04:27: und an dem diese Regierung vielleicht tatsächlich zerbricht.

00:04:30: Und dann mussten wir plötzlich zwei paralleles Spezialsendungen planen.

00:04:34: Nämlich eine, die sich nur auf die USA bezieht

00:04:36: und eine, die sich auf unsere eigene Bundesregierung bezieht

00:04:40: und auf unser eigenes Land.

00:04:42: Und es ist am Ende dann so ausgegangen,

00:04:44: dass wir ganz, ganz hinten raus in den letzten Sekunden der Sendung

00:04:47: tatsächlich die Nachricht von der Entlassung Christian Lindner

00:04:52: drin hatten, was ja noch nicht der offizielle Zusammenbruch der Ampel war.

00:04:56: Aber damit war klar, dass diese Regierung keine Zukunft mehr hat.

00:05:00: Und da war mir sehr ... - Wenn Parteiforsitzender rausfliegt,

00:05:03: dann hält das Ding nicht mehr.

00:05:05: Ja, es gab ja mal kurz diese Gerüchte im Hintergrund,

00:05:08: dass sich die FDP vielleicht doch noch mal neu sortiert.

00:05:11: Aber das ist ja dann oft so, dass gerade wenn man in Berlin ist,

00:05:15: alle Stimmen auch irgendwo noch mal doppelt und dreifach verstärkt werden

00:05:18: und dann auch solche Überlegungen auch ventiliert werden.

00:05:24: Na ja, und so ist es natürlich nicht gekommen, das wissen wir.

00:05:27: Also du bist nicht weg von der Politik keinesfalls.

00:05:30: Du machst jetzt Spezialsendungen, du hast es gesagt,

00:05:33: da haben wir dich auch moderieren sehen,

00:05:35: eben zur S-Wahl, aber auch zur Bundestagswahl, zur Hamburg-Wahl.

00:05:38: Hast du gemacht, Sendungen zum Ende der Ampel,

00:05:41: zum Anschlag von Magdeburg, um noch einige zu nennen?

00:05:44: Wie beobachtest du jetzt die Hauptstadtpolitik

00:05:48: eventuell anders als zuvor, wenn ja, dann wie?

00:05:51: Es ist schon ein Unterschied,

00:05:52: ob man tatsächlich täglich drinsteckt in der Informationsflut

00:05:58: und auch im Austauschen mit den Akteurinnen und Akteuren.

00:06:02: Denn es wird ja viel gespint, wie man sagt.

00:06:05: Also natürlich ist man dann im Gespräch und jede Partei versucht,

00:06:08: klarzumachen, warum ihre eigene Position, die eigentlich richtige ist,

00:06:12: das gehört dazu, das gehört zum Geschäft.

00:06:14: Wir sortieren das, wir ordnen das ein.

00:06:16: Und wir stellen das in einen Kontext.

00:06:19: Und da bin ich jetzt nicht mehr in jeder Umdrehung mit drin,

00:06:24: was ich manchmal als wohltuend empfinde,

00:06:27: weil man sich dann auch noch mal Gedanken machen kann,

00:06:33: die ein bisschen in die längere Perspektive in den Blick nehmen.

00:06:37: Manchmal fehlt es natürlich auch.

00:06:39: Also wenn dann die Frage ist, wie lang dauert es jetzt,

00:06:45: wie gut laufen die Verhandlungen und Ähnliches,

00:06:48: dann ist es natürlich einfacher, wenn man in Berlin direkt ist.

00:06:51: Aber heutzutage muss ich ja jetzt nicht mehr die Postkutsche los schicken,

00:06:55: um irgendeine Nachricht loszuschicken oder zu empfangen.

00:06:59: Man kann sich ja durchaus mit den Leuten noch unterhalten,

00:07:01: wenn man im Mainz sitzt.

00:07:03: Und was magst und machst du lieber, habe ich mich gefragt im Vorfeld.

00:07:07: Denn ich kenne all das, was du erzählst,

00:07:09: dass wenn man täglich auf Sendung ist,

00:07:11: es ist ein Unterschied, als wenn du zum Beispiel eine Talkshow am Wochenende machst

00:07:16: oder aber wenn du wie ich es jetzt mache, ein Podcast machst,

00:07:20: der nicht so auf Aktualität angelegt ist.

00:07:23: Ich kann es für mich ehrlich gesagt gar nicht genau sagen,

00:07:25: was ich lieber mag, weil ich alles immer gerne gemacht habe.

00:07:28: Aber was ich mir auch gedacht habe, wie du ist,

00:07:32: es kann sich anfühlen, als sehe man den Baum vor lauter ...

00:07:36: Nee, den Wald vor lauter Bäumen so rum,

00:07:38: nicht, wenn man knietief in jedem Detail steckt.

00:07:42: Und da stelle ich mir jetzt vor, wenn du aus Mainz schaust,

00:07:45: weil du dich nicht Abend für Abend in so und so viele Schalten begeben musst,

00:07:51: hast du wahrscheinlich jetzt eine etwas ausgerutere Distanz zum ganzen Kram, oder?

00:07:59: Ob das ausgeruter ist,

00:08:00: wenn man so ein ausgeprägter Aktualitätsmensch ist wie ich,

00:08:03: das weiß ich nicht, aber tatsächlich macht es mir großen Spaß,

00:08:07: dass wir hier noch mal die Möglichkeit haben, zu sagen,

00:08:12: was können wir noch zusätzlich erklären?

00:08:14: Also ich nehme wahr, dass momentan ein riesengroßes Interesse da ist,

00:08:18: an allem, was politisch passiert.

00:08:20: Und dass ein ganz großes Bedürfnis danach da ist,

00:08:24: dass wir Dinge erklären.

00:08:25: Und vielleicht manchmal auch noch mal bei A anfangen.

00:08:29: Und wirklich sagen, was war denn noch mal eine Schuldenbremse?

00:08:34: Ja, so ...

00:08:35: Wozu ist das Ganze da, wo kommt es her?

00:08:40: Warum ist es vielleicht auch diskutabel, Hintergründe zu bieten,

00:08:45: die vielleicht für sehr gut informierte Zuschauerinnen und Zuschauer

00:08:49: ein bisschen zu früh ansetzen, die dann sagen,

00:08:52: "Wissen wir doch alles?"

00:08:53: Es gibt eben sehr, sehr viele Leute, die wir da noch mitnehmen können,

00:08:57: die wir da Sachen an die Hand geben können,

00:09:00: die für sie wichtig sind.

00:09:01: Und so was dann in der ZDF-Spezialsendung ergänzend zu dem zu machen,

00:09:05: was wir ja vorne in der Aktualität haben.

00:09:07: Also dann in den 19 Uhr Nachrichten z.B. senden

00:09:10: oder später auch im Journal bei uns auf der ZDF heute im Internet,

00:09:14: das dreht sich ja alles sehr viel schneller.

00:09:16: Da noch mal ausgeruhte Zusatzinformationen zu geben,

00:09:20: finde ich momentan wirklich, wirklich großartig.

00:09:23: Ist eine gute Abwechslung.

00:09:25: Und wie gesagt, manchmal sind wir eher trotzdem noch mittendrin in der Aktualität.

00:09:30: Klar. Wie schwierig ist Regierung geworden?

00:09:33: Die Frage wollen wir uns ja in dieser Folge stellen,

00:09:36: ist das eine gute Frage, mit der wir uns angucken können,

00:09:40: was im Moment gerade passiert, deiner Ansicht nach?

00:09:43: Ich glaube ja, weil sie von vielen verschiedenen Seiten auf das schaut,

00:09:49: was oder schauen kann, was jetzt gerade passiert.

00:09:52: Also zum einen ist natürlich klar, die Zeiten sind immer schwierig,

00:09:57: politische Entscheidungen sind nie einfach zu treffen,

00:10:00: Krisen gab es auch früher, auch wenn wir jetzt sagen,

00:10:03: wir sind mit multiplen Krisensituationen beschäftigt.

00:10:06: Ich glaube ja, wir hatten schon, also immer zu meinen Lebzeiten,

00:10:09: gab es keine Zeit, in der wir vor so vielen grundlegenden Entscheidungen

00:10:15: gestanden haben, die tatsächlich unseren Alltag verändern könnten,

00:10:19: wenn wir es wollten.

00:10:21: Und an manchen Stellen vielleicht auch müssten.

00:10:23: Also so gesehen sind wir jetzt in einer Lage und in einer Herausforderung,

00:10:28: die vielleicht viele Regierungen vor der kommenden nicht hatten,

00:10:33: aber zugleich ist es eben immer schwierig.

00:10:36: Und es haben sich die Zeiten aber auch geändert,

00:10:38: was Kommunikation betrifft, was Journalismus betrifft,

00:10:41: was Bürgerbeteiligung betrifft.

00:10:43: Also es hat sich so vieles getan, dass wir in einer Situation sind,

00:10:47: in der sich eine Regierung vielleicht auf mehreren Ebenen neu erfinden muss.

00:10:53: Bevor jetzt alle loslatschen und googeln oder ihr Handy grausgreifen,

00:10:58: uns nicht mehr konzentriert zuhören, du bist 1973 geboren,

00:11:02: damit wir das wissen, damit wir wissen, welche Lebensspanne du überblickst.

00:11:06: Aber ich will auch ergänzen, du warst von März 2019 bis Oktober 2024

00:11:13: die stellvertretende Leiterin des Hauptstadtstudios in Berlin,

00:11:17: war es vorher Korrespondentin in Brüssel gewesen

00:11:19: und du hast also schon immer knietief in den Themen gestanden.

00:11:22: Und in der Zeit im Hauptstadtstudium muss man sagen,

00:11:25: gibt es auch enorm umwälzende Krisen, Corona zum Beispiel,

00:11:31: dann aber auch der Beginn des vollumfänglichen Angriffskriegs,

00:11:35: Russlands auf die Ukraine, die damit verbundene und stark empfundene

00:11:39: Zeitenwände, dann Angst vor Energie, Knappheit, Dinge,

00:11:42: die man überhaupt nie bedacht hatte, könnte das passieren,

00:11:45: dass wir irgendwann gar kein warmes Wasser mehr haben und so was.

00:11:49: Ist Regierung dann, wenn man sich das vergegenwärtigt und sagt,

00:11:54: da gab es aber auch schon wirklich Grundstürzen der Ereignisse,

00:11:58: große Krisen, ist es dann wirklich schwieriger geworden

00:12:01: oder empfindet man das immer nur im Moment so?

00:12:04: Es stimmt, erfahrenere Kolleginnen und Kollegen,

00:12:08: dann höre ich ab und zu mal sagen, meine Güte,

00:12:11: da hatten wir schon mal ähnliche Situationen,

00:12:14: in denen es spitz auf Knopf stand und in denen das Geld knapp gewesen ist,

00:12:19: in denen sich eine Koalition nicht mehr grün war

00:12:21: und sich schwer getan hat damit.

00:12:23: Aber zugleich ...

00:12:27: Ich beantworte das jetzt mal mehr aus dem Gefühl heraus.

00:12:33: Okay. - Zugleich ...

00:12:36: sind wir jetzt in einer Situation,

00:12:38: in der Demokratie ganz grundsätzlich auf dem Prüfstand zu stehen scheint.

00:12:44: Wir haben eine ...

00:12:46: Wahrscheinlich nie da gewesen, also in Deutschland so nie da gewesen,

00:12:51: das Skepsis weltweit, einen Rückgang der Demokratie.

00:12:55: Es gibt diesen Demokratieindex des Economists,

00:12:58: der sich das ja regelmäßig anschaut.

00:13:00: Der mir noch mal aufgefallen war,

00:13:02: die hatten die letzten Zahlen von 2024

00:13:05: und die stellen eigentlich fest,

00:13:07: dass seit einem Jahrzehnt die Zustimmung zu Demokratien,

00:13:10: dass Vertrauen in Demokratien zurückgeht

00:13:13: und Autokratien im Aufwind sind.

00:13:15: Und das erreicht eben auch uns.

00:13:17: Das muss Regieren zwangsläufig schwieriger machen,

00:13:21: weil eben zum Vertrauen in die Demokratie im Wesentlichen dazu gehört,

00:13:25: dass Vertrauen in die Handlungsfähigkeit von Regierungen.

00:13:29: Und deswegen glaube ich, dass es schwieriger geworden ist,

00:13:34: allein schon deshalb,

00:13:36: weil sich Regierungen anders selbst behaupten müssen als früher.

00:13:39: Würde ich auch sagen, ich würde zustimmen,

00:13:42: dass das eine Systemkrise ist,

00:13:44: die wir zumindest in Deutschland, also im Westen Deutschlands,

00:13:50: so nicht wahrgenommen haben.

00:13:52: Menschen, die in der DDR sozialisiert worden sind,

00:13:55: haben sehr wohl eine Systemkrise erlebt.

00:13:58: Die ging aber gut aus.

00:14:00: Nicht für alle, aber für viele nachgängige Wahrnehmungen

00:14:03: gesagt, okay, das hat sich jetzt zum Besseren entwickelt.

00:14:07: Menschen, die auf die Straße gegangen sind,

00:14:09: hatten dann Meinungsfreiheit, hatten Reisefreiheit und so.

00:14:12: Alles, was man dann möglicherweise kritischer auch negativer angeschaut hat,

00:14:17: setzt dann über die Umsetzung der friedlichen Revolution, glaube ich, ein.

00:14:23: Aber es ist dann jetzt, glaube ich, wie du,

00:14:27: eine echte Systemkrise, dass das Demokratien derart unter Beschuss kommen,

00:14:32: dass man das Gefühl hat, Autokratien sind fast effizienter,

00:14:37: sind lösen eher ein, was sich Menschen von Regierungen erhoffen,

00:14:43: nämlich das Probleme angepackt gelöst.

00:14:45: Und sonst, wie werden? Ohne, dass ich jetzt gesagt haben will,

00:14:49: ich fände daran irgendwas gut, ganz und gar nicht.

00:14:52: Wir zeichnen, will ich auch noch sagen, am Mittwoch,

00:14:55: dem 26. März, am frühen Abend auf die neue Regierung,

00:14:58: spielt noch Mensch ärgere dich nicht.

00:15:01: Steht jedenfalls noch nicht.

00:15:03: Gestern aber hat sich der neue Bundestag konstituiert.

00:15:07: Da haben wir genau das gesehen, was du jetzt gerade angetippt hast,

00:15:10: das neue Bild, der riesige Block, in dem die Abgeordneten der AfD sitzen,

00:15:16: der neue Ton, der da herrscht.

00:15:18: Es wird lauter, es wird noch unversöhnlicher als ohnehin schon, so glaube ich.

00:15:23: Die AfD legt es noch mal mehr, so glaube ich,

00:15:27: darauf an die Parteien der demokratischen Mitte,

00:15:29: auch die noch zubildende Regierung, systematisch zu delegitimieren.

00:15:34: Gestern hat Bernd Baumann,

00:15:36: der parlamentarische Geschäftsführer der Fraktion den Ton gesetzt,

00:15:39: der sprach als Erster.

00:15:41: Er hat sich da gleich mal beschwert, das können wir uns anhören,

00:15:44: dass der neue Bundestag sich erst gestern konstituiert hat.

00:15:48: Warum erst jetzt?

00:15:50: Weil Union, SPD und Grüne wie ein Parteienkartell

00:15:53: jede frühere Einberufung verhinderten.

00:15:56: So konnten Sie mit den längst abgewählten Mehrheiten des alten Bundestages

00:16:00: gleich dreimal das Grundgesetz ändern.

00:16:02: Gegen den Wählerwillen, gegen hier ...

00:16:04: (Applaus)

00:16:10: ... im hier neu gewählten Bundestag hätte es dafür nie eine Mehrheit gegeben,

00:16:14: keine 1.000 Milliarden-Staatskredite, kein Ende der Schuldenbremse

00:16:19: und kein Zwang zu Klima und Neutralität im Grundgesetz.

00:16:22: (Applaus)

00:16:26: Die Wähler hatten was völlig anderes gewollt.

00:16:28: Millionen wählten deshalb Friedrich Merz und die CDU,

00:16:31: weil er das versprochen hatte.

00:16:33: Aber die Union bestätigte mit ihrem gigantischen Wahlbetrug einmal mehr.

00:16:36: Wer die CDU wählt, bekommt am Ende links Grün.

00:16:39: (Applaus)

00:16:41: Er bekommt offene Grenzen, Massenmigration, 72 Geschlechter

00:16:46: und die rot-grüne Regenbogenflagge ganz oben auf dem Bundestag.

00:16:50: Das ist also jetzt der neue Ton, der da im Bundestag herrscht.

00:16:54: Und der Applaus, der wirkt so als Applaudierender des halbe Parlament.

00:16:59: Es war aber allein die AfD.

00:17:02: Und es stimmt zum Glück nicht, dass das das halbe Parlament wäre.

00:17:06: Aber es sind viele.

00:17:08: Ich fand es wirklich krass, muss ich zugeben.

00:17:10: Was hast du gedacht?

00:17:12: Es sind viele, allerdings glaube ich nicht, dass es ein neuer Ton ist.

00:17:16: Denn das hat man in den vergangenen Jahren ja durchaus schon beobachten.

00:17:20: Man kann auch sagen, dass es Diskussionen darüber gab,

00:17:24: wie die AfD im Bundestag dort auch das Miteinander verändert hat.

00:17:29: Da ist mindestens ein Buch drüber geschrieben worden,

00:17:32: das ich schon gelesen habe.

00:17:33: Also wahrscheinlich sogar mehrere.

00:17:36: Also es ist jetzt in der Massivität natürlich eine andere Situation.

00:17:44: Allein was die Zahlenverhältnisse angeht.

00:17:48: Und die AfD tritt natürlich auch mit einem anderen Selbstbewusstsein auf.

00:17:55: Das kommt, glaube ich, auch dazu.

00:17:56: Denn bei früheren Erfolgen wurde relativ oft in der Kommentierung gesagt,

00:18:05: sie ist die AfD, wird trotz rechtsextremistischer Tendenzen

00:18:10: und Mitgliedern in der Partei gewählt.

00:18:14: Das wissen die Leute vielleicht nicht.

00:18:15: Oder sie nehmen es in Kauf.

00:18:18: Aber mittlerweile wissen wir, dass sie in Teilen auch deshalb gewählt wird

00:18:23: und eben auch wegen der entgrenzenden Rhetorik gewählt wird.

00:18:27: Und dann kann so eine Partei natürlich auch noch mal ganz anders auftreten

00:18:31: und sagen, dass es eben genau das, was gefordert wird,

00:18:33: die Menschen möchten eine andere Sprache auch im Parlament.

00:18:36: Ich glaube, das ist ein anderes Selbstverständnis.

00:18:38: Das ist für den demokratischen Diskurs eine Riesenherausforderung.

00:18:43: Das wird man jetzt sehen müssen, wie das im Bundestag,

00:18:48: wie die anderen Parteien dem im Bundestag entgegnen.

00:18:52: Ja, Kartell haben wir da gehört, Parteienkartell.

00:18:56: Das ist ein klassisches AfD-Wort.

00:18:58: Das werden wir jetzt noch öfter hören, es unterstellt,

00:19:01: dass alle Parteien der demokratischen Mitte in anstößiger Weise zusammenarbeiteten.

00:19:07: Und zwar dann immer zulasten des Volkes, des imaginären Volkswillens,

00:19:12: denen die AfD natürlich allein von sich selbst repräsentiert sieht.

00:19:16: Gestern hatte Bernd Baumann dafür,

00:19:19: um das irgendwie zu untermauern gleich zwei Beispiele zu üben.

00:19:23: Einen das nicht Alexander Gauland,

00:19:25: sondern Gregor Giese diese Zungen, als sogenannte Alterspräsident eröffnet hat.

00:19:31: Das hatte der Bundestag 2017 geändert,

00:19:34: hatte sich die neue Regel gegeben,

00:19:36: dass der den neuen Bundestag eröffnet,

00:19:40: der nicht an Lebensjahren, sondern an Dienstjahren,

00:19:43: an Abgeordnetenjahren der Älteste ist,

00:19:46: der solle das jetzt ab sofort machen.

00:19:49: Und das war dann eben oder ist dann eben Gregor Giese.

00:19:52: Und das andere Beispiel, das haben wir ja im O-Ton gehört,

00:19:55: das Union und SPD noch schnell mit dem alten Bundestag

00:19:58: und damit den Stimmen der Grünen das Grundgesetz geändert haben,

00:20:01: um die Schuldenbremse zu lockern

00:20:04: und die gigantischen Schuldenpakete für Verteidigung und Infrastruktur zu beschließen.

00:20:08: Das hat Bernd Baumann natürlich im Punkt, das weiß auch jeder,

00:20:13: das weiß auch Friedrich Merz,

00:20:14: dass obwohl Friedrich Merz im Wahlkampf anderes versprochen hatte,

00:20:19: wie sehr werden, weil ich ja danach fragen will,

00:20:22: wie wird Regieren unter neuen Bedingungen möglicherweise schwieriger?

00:20:27: Wie wird es unter der neuen Bedingung dieser Mehrheitsverhältnisse

00:20:31: in den AfD und Linke jetzt eine Sperrminorität haben?

00:20:34: Schwieriger, deine Analyse.

00:20:37: Ich würde gerne noch einen Moment bei dieser Rhetorik bleiben,

00:20:41: die ja eben das Regieren auch schwieriger machte.

00:20:43: War ja auch von Wahlbetrug schon wieder die Rede.

00:20:46: Genau. - Das ist ein Stichwort,

00:20:48: das wir übrigens ja auch international sehen bei Parteien,

00:20:51: die zum Teil antidemokratisch auftreten,

00:20:57: die autoritären Modellen Sympathien entgegenbringen.

00:21:01: Also das ist eine internationale,

00:21:04: sehr zumindest irreliberalen Bewegungen,

00:21:07: wenn man das mal so sagen möchte.

00:21:08: Da tauchen diese Begriffe ja immer wieder auf.

00:21:11: Das macht natürlich, stellt natürlich jede Entscheidung,

00:21:15: jede politische Entscheidung noch mal vor einen weiteren Vorbehalt,

00:21:18: dass man sie abklopfen muss darauf,

00:21:20: wie sie in solchen Erzählungen dann eben auch verwendet werden kann,

00:21:26: um die Behauptung, dass Demokratie eben gar nicht mehr bestehe,

00:21:31: zu legitimieren.

00:21:33: So, ganz komplizierter Satz.

00:21:35: Gerade eben, kam mir nur gerade eben, als ich das gehört habe.

00:21:39: Also, obachte... - Ich glaube, das gab es ja früher auch schon

00:21:44: Wahlbetrug.

00:21:45: Es gab den Umfall, du erinnerst dich an den Bildzeitungstitel

00:21:48: mit Helmut Kohl.

00:21:50: Das gab es auch als Angela Merkel, wie wohl sie im Wahlkampf gesagt hätte,

00:21:55: Mehrwertsteuererhöhung kommt mit uns nicht,

00:21:57: dann mit Franz Mündefrenge als Erstes zu tun hatte,

00:22:01: dass sie sagt, 3% Mehrwertsteuer, die wollten nur zwei.

00:22:04: Da hat man auch gesagt, das ist ein Wahlbetrug.

00:22:07: Ich glaube, diese Betorik, wenn ich mich richtig erinnere, gab es schon.

00:22:11: Die viel aber auf einen anderen Boden.

00:22:13: Das finde ich ist eben das Interessante.

00:22:15: Es gab ja immer schon dieses Gefühl,

00:22:18: im Wahlkampf wird eine ganze Menge behauptet.

00:22:21: Und am Ende machen sie vielleicht doch was anderes.

00:22:24: Ich glaube, gute Beobachter haben auch immer schon gesehen,

00:22:28: wo sich dann andeutete, was vielleicht nach der Wahl wackelt.

00:22:31: Also da gibt es genug Beispiele dafür, wo man sagen kann,

00:22:37: da wurde halt gepokert.

00:22:39: Und da hat man sich um bestimmte Stimmen bemüht im Wahlkampf.

00:22:43: Und am Ende hat man es wieder vergessen.

00:22:45: Aber das ist damals von niemandem als Beleg dafür genommen worden,

00:22:52: dass Demokratie nicht funktioniert.

00:22:54: Stimmt.

00:22:55: Das ist heute anders.

00:22:57: Dieser Begriff "Wahlbetrug" hat eine andere Konnotation heutzutage.

00:23:01: Und du hast es auch gerade erwähnt.

00:23:03: Sie wird ja dafür verwendet, um zu sagen,

00:23:05: da wird dem Volk sozusagen die Stimme entzogen

00:23:09: mit illegitimen Mitteln.

00:23:11: Und deswegen kann man eben nur sagen, es ist wichtig,

00:23:17: sich zu überlegen, welche Situation man sich da manövriert.

00:23:21: Und ich wüsste tatsächlich auch gerne, wie oft Friedrich Merz

00:23:26: es vielleicht schon bedauert hat,

00:23:28: dass er diese Schuldenbremsenfrage nicht doch früher

00:23:31: mit der Ampel diskutiert hat.

00:23:33: Aus strategischen Gründen oder aus taktischen Gründen

00:23:36: wird das mit Sicherheit nicht bereuen.

00:23:38: Aber diese Situation jetzt in eine Abstimmung zu kommen,

00:23:43: wo sich eben Bernd Baumann hinstellen kann und sagen kann,

00:23:47: da haben sie gegen den Willen der Wählerinnen und Wähler gehandelt.

00:23:51: Ohne, dass man da wirklich hart dagegen argumentieren kann,

00:23:58: das ist mit Sicherheit eine sehr unangenehme.

00:24:00: Ja, hast du total recht.

00:24:03: Aber ich glaube trotzdem,

00:24:06: und vielleicht sind wir da auch so ein bisschen berufsverdorben,

00:24:10: weil wir zum Beispiel sagen, ja gut,

00:24:13: da wird dann im Wahlkampf auch mal was behauptet,

00:24:16: was sich natürlich bei Lichte betrachtet nicht umsetzen lassen wird.

00:24:20: Weil keiner der Wahlkämpfer ganz sicherlich

00:24:23: in seinen ehrlichen drei Sekunden davon ausgeht,

00:24:26: dass er mit absoluter Mehrheit da durchzieht

00:24:29: und dann alles umsetzen kann,

00:24:31: war es ja so zack im Wahlprogramm, im Regierungsprogramm,

00:24:34: in sofortprogrammen und wie die alle heißen, aufgeschrieben hat.

00:24:38: Das, glaube ich, hat man eigentlich verstanden.

00:24:42: Mich kriegt es nicht, aber jemand, der sich das anschaut und sagt,

00:24:46: bitte wieso?

00:24:47: Er hat mir gesagt, er lockert die Schuldenbremse nicht,

00:24:51: darauf habe ich mich verlassen.

00:24:53: Er hat mir gesagt, er macht erst mal einen Kassensturz

00:24:56: und guckt dann, dass sich das über Einsparungen

00:25:00: und über mehr Wachstum so bewirtschaften lässt,

00:25:05: dass auch noch Steuersenkungen und alles drin sind.

00:25:08: Wer das geglaubt hat, sieht sich jetzt ja schon enttäuscht.

00:25:12: Vielleicht nicht betrogen.

00:25:14: Vielleicht ist das die Konnotation, die du da als Neu bemerkst,

00:25:17: dass sich das nicht ehrlich umgegangen wurde.

00:25:20: Das, glaube ich, weiß inzwischen jeder.

00:25:23: Und zwar in einem Ausmaß.

00:25:25: Das erheblich ist, wir hatten jetzt gerade im ZDF-Politbarometer.

00:25:28: Unter anderem die Frage, ob die befragten dem Vorwurf

00:25:34: der Wählertäuschung gegenüber Friedrich-März zustimmen.

00:25:39: 74 Prozent haben gesagt, das tun sie.

00:25:42: Und 44 Prozent der Unionsanhänger haben auch gesagt,

00:25:46: ja, Sie sehen das als Wählertäuschung an.

00:25:49: Das ist schon erheblich und das ist beträchtlich.

00:25:52: Dann ist die Frage, wie lange ist das Kurzzeitgedächtnis

00:25:55: oder wie lange sind die Leute nachtragend?

00:25:58: Das, jetzt hängt alles davon ab, wie wird die Einigung

00:26:07: im Koalitionsvertrag dann im Detail aussehen?

00:26:11: Kann der da tatsächlich noch mal so rechnen,

00:26:14: dass er am Ende wieder was reinholt?

00:26:16: Alle Experten, die draufgucken, sagen,

00:26:19: in der derzeitigen Lage ist das eigentlich nicht möglich.

00:26:22: Auf jeden Fall nicht so viel, wie man sich erhofft.

00:26:25: Diese Wette darauf, dass mit den Maßnahmen,

00:26:28: die die künftige Bundesregierung da ergreifen will,

00:26:32: die Wirtschaft so weit angekurbelt wird,

00:26:34: dass sich die Suche nach dem Geld schnell erledigt,

00:26:37: weil einfach wieder sehr viel reinkommt, die ist ja hoch riskant.

00:26:42: Und gerade in der derzeitigen Weltlage überhaupt nicht steuerbar.

00:26:46: Selbst wenn man sich hier in Deutschland die größte Mühe gibt

00:26:50: und alles richtig macht,

00:26:51: kann es immer noch auf der internationalen Bühne zu Verwerfungen kommen,

00:26:55: die dann im Welthandel so beeinträchtigen,

00:26:58: dass es uns nach unten zieht.

00:27:00: Hoch riskantes Spiel in einer Situation,

00:27:03: in der die Menschen erwarten,

00:27:05: dass die nächste Bundesregierung was hinbekommt.

00:27:09: Und in einer Situation, in der viel Vertrauen verloren gegangen ist,

00:27:13: darauf hat sich gestern Gregor Giszi auch bezogen,

00:27:15: in dem er nämlich hingegangen ist,

00:27:18: nicht etwa das Kartell zu kritisieren,

00:27:20: oder den Ausspruch des Kartells,

00:27:22: das hat die frisch gewählte Bundestagspräsidentin Julia Klöckner,

00:27:27: übrigens auch eine umstrittene Persönlichkeit oder eine umstrittene Wahl,

00:27:31: sagen wir so, die hat das kritisiert, Giszi ist hingegangen

00:27:34: und hat mehr Ehrlichkeit angemahnt.

00:27:37: Und zwar zweifellos in Richtung Friedrich-Mers und dessen Union gerichtet.

00:27:43: Man muss die wahren politischen Beweggründe für Entscheidungen angehen

00:27:46: und nichts Falsche, von dem man meint, dass sie eine Mehrheit trägt.

00:27:50: Es ist auch überhaupt nicht nötig,

00:27:52: im Wahlkampf Forderungen zu stellen, Bedingungen zu nennen

00:27:55: und dann das Gegenteil zu betreiben.

00:27:57: Man sollte mit Wahrheiten gewählt werden.

00:27:59: Sonst baut man die Glaubkürigkeit der Politik ab

00:28:02: und gehilft genau jenen, den man überhaupt nicht halten will.

00:28:05: Wie schwierig ist Regierend geworden, fragen wir hier,

00:28:08: wie schwierig ist es geworden, nicht nur zu regieren,

00:28:12: sondern auch Vertrauen wiederherzustellen?

00:28:15: Ich glaube, Wahrhaftigkeit ist ein Dreh- und Angelpunkt tatsächlich,

00:28:20: weil auch nichts mehr verloren geht.

00:28:23: Also, jede Ungenauigkeit oder jedes Versprechen,

00:28:27: das dann nicht eingelöst wird oder anders eingelöst wird,

00:28:30: wird ja nicht nur von uns professionellen Journalistinnen

00:28:33: ordentlich durch den Wolf gedreht

00:28:35: und von allen Seiten angeschaut,

00:28:37: sondern auch in Social Media, von Lobbygruppen,

00:28:40: von Menschen, die sich einfach nur politisch interessieren.

00:28:43: Also, es wird ja wahnsinnig vergrößert mittlerweile.

00:28:45: Und es wird auch oft direkt als Charakterfehler sozusagen ausgelegt.

00:28:49: Und dann daraus abgeleitet, dass da jemand regiert,

00:28:53: der es eigentlich so nicht verdient hat, macht auszuüben.

00:28:57: Also, deswegen, glaube ich, ist es unglaublich wichtig geworden,

00:29:02: bei den Botschaften klar zu sein.

00:29:05: Und wenn man davon abweicht, auch eine gute Erklärung dafür zu bieten.

00:29:12: Weil eben sonst die Absetzbewegungen von den Parteien,

00:29:20: der Mitte heißt das immer so, aber die Absetzbewegung

00:29:23: oder das Misstrauen gegenüber Demokratie und ihrer Funktion

00:29:27: noch weiter abnimmt.

00:29:28: Also, ich glaube, das ist ein Punkt.

00:29:31: Und das Gefährliche ist, wenn ich das noch dazu sagen darf,

00:29:34: dass zugleich die Möglichkeit über Social Media

00:29:41: immer in Verbindung zu bleiben mit den Wählerinnen und Wählern,

00:29:44: immer gleich Emotionen aufzunehmen und damit zu diskutieren,

00:29:48: genau das sehr schwierig macht.

00:29:50: Weil aus dem Tag heraus Diskussionen entstehen,

00:29:53: wo immer häufiger Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner

00:29:56: auch auf Sachen antworten, die sie noch gar nicht selber richtig gelesen haben.

00:30:00: Die haben sich richtig gegen recherchiert.

00:30:02: Dann entsteht daraus eine Position, die man sich bei einem mal drüber

00:30:06: schlafen, vielleicht ganz anders formuliert hätte.

00:30:10: Also, da sind ... - Das gehört mir auch.

00:30:13: Und das, glaube ich, auch ist einer der Aspekte,

00:30:17: die darauf einzahlen, dass es doch schwieriger geworden ist,

00:30:21: zu regieren oder aber auch Politik zu betreiben,

00:30:23: auch Oppositionsarbeit zu machen, was du eben schon mal entwickelt hast.

00:30:27: Ich glaube, das zahlt da unbedingt darauf ein,

00:30:30: dass sich Nachrichtenvermittlungen,

00:30:33: auch Vermittlungen von Aussagen einzelner in einer Weise beschleunigt hat,

00:30:38: wie man das kaum noch nachhalten kann.

00:30:40: Du hast ja dann längst die Reaktion auf die Reaktion

00:30:43: und die Reaktion auf die Reaktion auf die Reaktion.

00:30:46: Ist für aktuelle Arbeitende Journalistinnen wie dich und mich,

00:30:51: wie wir das gemacht haben, wahnsinnig schwer,

00:30:53: weil du dann ... Ich hatte mir das angewöhnt.

00:30:56: Das war ja auch eine Live-Sendung, die ich gemacht habe,

00:30:58: dass ich in die Mitte über, bevor ich da reinging,

00:31:01: immer noch mal Ex-Getscheckt hab, Blue Sky, so was,

00:31:04: um einfach zu wissen,

00:31:06: "Hu, ist jetzt nicht doch irgendwas passiert?"

00:31:08: Was zum Beispiel dann die sorgfältiger arbeitenden Kolleginnen und Kollegen

00:31:13: der Online-Medien überhaupt noch nicht aufgenommen haben,

00:31:16: weil die das erst mal gegen gecheckt haben.

00:31:18: Aber du wolltest vielleicht diese Stimmung oder die neue Lesart

00:31:22: oder sowas mitbekommen.

00:31:23: Und ich glaube, das ist eine Beschleunigung,

00:31:26: die gar nicht mehr gut ist.

00:31:27: Du kannst es einfach nicht überprüfen

00:31:29: und du springst allzu schnell zu kurz,

00:31:32: man ist dann auf der Maus ausgerutscht oder was.

00:31:35: Und dann versuchst du es, immer wieder allzufahren.

00:31:38: Dann fängt man es wieder ein, genau, aber irgendwas bleibt dann trotzdem hängen.

00:31:42: Wir sind ja auch immer häufiger, werden immer häufiger von außen

00:31:46: dazu aufgefordert, einen Live-Fakt- and-Check zu machen.

00:31:49: Hatten wir jetzt rund um die Bundestagswahl

00:31:52: tatsächlich auch an der einen oder anderen Stelle etabliert.

00:31:55: Es ist ein Riesenaufwand und ist natürlich nur zum Teil wirklich einlösbar.

00:32:01: Ich kann live bestimmte Sachen checken,

00:32:03: von denen ich weiß, dass sie wahrscheinlich kommen,

00:32:06: dass Person X immer wieder mal mit einer Behauptung agiert.

00:32:09: Nehmen wir jetzt Beispielwahlbetrug als Stichwort.

00:32:13: Da kann man dann sagen, fehlen die Belege für oder bestimmte Videos,

00:32:17: die verbreitet wurden im Netz, waren eindeutig nachweisbar gefälscht.

00:32:21: Aber es gibt ja in jeder Diskussion auch Momente,

00:32:24: auf die man nicht vorbereitet ist.

00:32:26: Die lassen sich eben nicht innerhalb von 30 Sekunden checken.

00:32:29: Wenn man sehr schnell ist,

00:32:31: klappt es vielleicht innerhalb von fünf Minuten oder zehn Minuten.

00:32:34: Aber dann ist man auch immer noch an der Oberfläche.

00:32:37: Oft ist die Antwort ja auch, es ist nicht völlig falsch.

00:32:41: Wir brauchen mehr Kontext.

00:32:43: Also, das erschwert nicht das Regieren an dieser Stelle,

00:32:47: sondern das Berichten über Regieren und über Kritik an der Regierung.

00:32:52: Aber es sind eben auch leider hin und wieder die Akteure in der Politik

00:32:59: zu schnell dabei, dann bestimmte Dinge aufzugreifen,

00:33:03: auch wenn sie noch nicht durchwäschert sind

00:33:05: und sich zu Beteiligen an einer Diskussion,

00:33:08: die man sich eigentlich hätte sparen können,

00:33:11: wenn man dann noch mal einen halben Tag gewartet hätte.

00:33:14: Wie schwierig ist Regieren geworden?

00:33:16: Gucken wir doch inhaltlich mal ein bisschen drauf.

00:33:18: Wir haben es schon angetippt.

00:33:20: Die Regierung nicht, die verschiedenen Arbeitsgruppen

00:33:23: haben ihre jeweiligen Papiere fertig,

00:33:25: die strotzen zum Teil aber auch von Dingen,

00:33:28: die noch in den sogenannten eckigen Klammern stehen,

00:33:31: sprich, die müssen noch weiterverhandelt werden.

00:33:33: Die Arbeitsgruppe jetzt in die sogenannte Chefrunde

00:33:36: und Chefinnenrunde,

00:33:38: in der unter anderem Friedrich Merz, Markus Söder,

00:33:41: Alexander Dobrindt, Lars Klingbeil, Saskia Esken,

00:33:44: Manuela Schwesig, andere sitzen.

00:33:47: Die wollen jetzt noch vor dem Wochenende anfangen,

00:33:50: das alles zu bearbeiten und alle noch strittigen Punkte zu klären.

00:33:55: Das scheint aber richtig viel zu sein

00:33:57: und man weiß nicht, ob die den Zeitmann überhaupt halten können.

00:34:00: Wir wissen das jetzt nicht alles im Detail wollen,

00:34:03: uns auch nicht auf jedes Detail stürzen, warum auch.

00:34:06: Eventuell ist es interessant, danach herzukucken,

00:34:08: was ist jetzt rauszukommen.

00:34:10: Aber ich glaube, wir erkennen längst Linien eine,

00:34:13: dass die Union jetzt wahnsinnig unter Druck ist,

00:34:16: nicht noch das nächste Faust fand.

00:34:19: Aus der Hand zu geben oder anders das nächste Wahlversprechen zu brechen,

00:34:24: etwa in der Steuerpolitik, wo Friedrich Merz Steuersenkungen versprochen hat,

00:34:29: auch die Abschaffung des Solidaritätszuschlags.

00:34:32: Heute hat das Bundesverfassungsgericht entschieden,

00:34:35: dass der Solidaritätszuschlag noch von wenigen gezahlt wird,

00:34:38: etwa 10 Prozent, ist nicht verfassungswidrig,

00:34:42: jetzt bleibt die Hoffnung an Friedrich Merz, dass der das Ding löst.

00:34:48: Er hat in der Migrationspolitik große Versprechen gemacht,

00:34:53: ist hingegangen und hat gesagt, an Tag 1 seiner Amtszeit

00:34:57: würde er den berühmten 5-Punkte planen,

00:35:00: und zwar Achtung per Richtlinienkompetenz ins Werk setzen.

00:35:04: Wie sehr fällt ihm und auch den Verhandlern

00:35:09: die behauptete Entschlossenheit jetzt auf die Füße,

00:35:12: die ja leider an einer Stelle, einer großen Stelle,

00:35:16: nämlich der Reform der Schuldenbremse, nicht gehalten wurden?

00:35:20: Ich glaube, das ist eine Riesenhypothek.

00:35:23: Ich glaube nicht, dass da ...

00:35:25: Im Wahlergebnis ist natürlich die Strategie aufgegangen,

00:35:28: mit einer starken Führungshaltung zu signalisieren,

00:35:33: wenn ich da bin, dann passiert auch was.

00:35:36: Ich glaube, es ist genug infrage gestellt worden.

00:35:39: Man konnte das immer hinterfragen.

00:35:41: Einige der Aussagen, die er da gemacht hat,

00:35:43: waren ja zum Teil auch wirklich lustig.

00:35:46: Wenn er sich dahin stellt auf der Wahlkampfabschlussveranstaltung,

00:35:50: dann rufe ich mal beim DFB an und dann bitte ich darum,

00:35:53: dass in dieser untersten Kinderliga Tore geschossen werden.

00:35:56: Es kamen andere, die gesagt haben, das muss man gar nicht regeln,

00:36:00: weil dieses Problem existiert nicht.

00:36:02: Aber er hat was Ähnliches gemacht wie Olaf Scholz auch.

00:36:06: Dieses, wer bei mir Führung bestellt, der bekommt sie auch.

00:36:09: Das ist Olaf Scholz immer wieder auf die Füße gefallen.

00:36:13: Jetzt ist es eine noch größere Hypothek,

00:36:15: weil wir ja in der Ampel gesehen haben,

00:36:17: dass diese Regierung damals gescheitert ist,

00:36:21: eingemauert sein auf Grundsatzpositionen

00:36:24: und dass keiner mehr auf den anderen zugehen wollte.

00:36:28: Auch nicht mit Verweis auf äußere Zwänge, die ja durchaus da waren.

00:36:32: Und wenn jetzt was Ähnliches passiert,

00:36:35: weil sich beide Seiten durchaus auch um das Image kümmern

00:36:40: und sagen, ich muss erkennbar bleiben.

00:36:44: Ich möchte nicht, dass mir die Wähler, die wir noch haben,

00:36:47: dass mir die auch noch verloren gehen.

00:36:50: gehen. Dann wird es wirklich schwierig, weil das dem größten Wunsch der Wählerinnen und

00:36:56: Wähler, dass da jetzt eine Regierung kommt, die sich gemeinsam daran macht, schnell Lösungen

00:37:02: zu entwickeln für große Themen, die ja metral entgegensteht.

00:37:06: Und der große Wunsch war auch, das haben die Umfragen ausgewiesen, man wünschte sich

00:37:12: eine stabile Regierung. Das war auch der Wunsch. Oder andersherum formuliert, so hat es, glaube

00:37:17: ich, Infratestima für die ARD abgefragt. Die haben gesagt, was ist ihre größte Sorge?

00:37:23: Und dann war die größte Sorge, dass es keine stabile Regierung gibt, weil man natürlich

00:37:28: die Erfahrungen mit der Ampel noch im Kreuz hatte. Glaubst du, Friedrich Merz hat sich

00:37:33: verrechnet, wie die Wahl ausgehen würde und hat sich deshalb so aufgepumpt und so selbstgewiss

00:37:40: gezeigt? Er hat ja eindeutig gehofft, dass er mehr Optionen haben wird. Das hat er immer

00:37:46: wieder gesagt. Er hat gesagt, er möchte mindestens zwei Verhandlungspartner haben. Das ist nicht

00:37:50: aufgegangen. Da kann man dann, glaube ich, schon auch mal fragen, ob das auch damit zu tun

00:37:54: hat, dass ein Verhandlungspartner, den er vielleicht gerne gehabt hätte, nämlich die

00:37:57: Grünen von seiner eigenen Partei bzw. Parteienfamilie so frontal angegriffen worden ist, dass da

00:38:06: auch wenig Wege hingeführt haben. Aber gut, das ist ein anderes Thema. Hat er sich verkalkuliert,

00:38:16: er wird regieren. Die Frage ist nur unter welchen Umständen und kann er das halten, was er

00:38:25: da verspricht? Und kann er damit die Erwartungen der Leute dann auch erfüllen? Denn eins muss

00:38:32: man auch dazu sagen. Ich glaube, der Geduldsfaden ist mittlerweile relativ kurz. Wir haben es jetzt

00:38:39: bei der Ampel gesehen, dass eben nicht die Geduld da war, zu sagen, vier Jahre, wir

00:38:46: einigen uns in einer Demokratie auf vier Jahre Regierung. Und wir gehen grundsätzlich davon

00:38:52: aus, dass keine Bundesregierung das Land wirklich innerhalb von vier Jahren so kaputt wirtschaftet

00:38:59: oder irgendwie an den Rand des Kollaps bringt, dass wir zwischendurch austauschen müssen,

00:39:05: diese Geduld scheint verloren zu gehen. Also das heißt, wenn die schwarz-rote Regierung

00:39:14: nicht relativ schnell unter Beweis stellt, dass sie an wesentlichen Stellschrauben gemeinsam

00:39:22: dreht, dann wird die Kritik auch bei der nächsten Bundesregierung vor Ablauf der Legislaturperiode

00:39:32: so groß sein, dass auch da wieder ein Bruch ständig im Raum steht und ständig diskutiert

00:39:37: wird.

00:39:38: Finde ich eine sehr gute Beobachtung. Von dir habe ich überhaupt noch gar nicht so

00:39:42: drüber nachgedacht, dass jetzt der Geduldsfaden ganz schön kurz ist, weil man denkt, wieso?

00:39:47: Aber guck mal, bei der Ampel war es ja dann auch so, dass sie zerbrach. Ich kann mich

00:39:51: nämlich nicht erinnern, dass man dieses Gefühl gehabt hätte, nachdem Gerhard Schröder vor

00:39:56: 20 Jahren Neuwahlen herbeigeführt hat, dass man dann nachdachte, also so was fliegt ja

00:40:02: so schnell auseinander, vergiss es. Das war ja da, wenn du so willst, eine Entscheidung

00:40:07: von Schröder nach der verlorenen Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, also eine Entscheidung

00:40:12: von oben, aber das Platzen der Ampel ist auch ein Reflex auf eine Revolution von unten

00:40:22: gewesen. Ich nenne sie jetzt mal so, nämlich auf ein gestörtes Vertrauen, eine Erosion

00:40:31: der Zustimmungswerte, wie man sie überhaupt noch nie gesehen hatte.

00:40:35: Da tue ich mich immer schwer, weil das müsste ich dann nochmal nachgucken. Ich glaube, es

00:40:42: stimmt, ich weiß, dass wir bei Olaf Scholz die niedrigsten Zustimmungswerte aller Zeiten

00:40:47: hatten. Ob das für die gesamte Bundesregierung gilt, habe ich jetzt nicht mehr in Erinnerung,

00:40:51: wird bestimmt stimmen. Zugleich gab es auch andere Phasen.

00:40:57: Du, sorgfältig Arbeit. Ich darf nicht nur Arbeit, ich konnte es nicht mehr nachdenken.

00:41:03: Nein, es gab hier schon andere Regierungen, die die extreme Unterdruck standen und die

00:41:11: sehr schlechte Zustimmungswerte hatten und die trotzdem nicht hingeworfen haben. Und

00:41:18: ich glaube, in der derzeitigen Lage hätte man durchaus auch noch Argumente dafür finden

00:41:23: können, warum ein gemeinsames Weiterregieren zumindest auf einem Minimalkompromiss auch

00:41:30: vertretbar gewesen wäre. Aber eben dieser Minimalkompromiss kam ja nicht mehr zustande,

00:41:35: dass es Schnee von gestern, wir wissen aber, dass zum Beispiel Europa sehr, sehr besorgt

00:41:39: auf Deutschland geguckt hat und gesagt hat, ihr wollt doch nicht jetzt neu wählen und

00:41:44: dann wissen wir nicht, mit wem wir reden und dann haben wir eine Übergangsphase und wer

00:41:47: weiß, wie lange ihr braucht, bis ihr euch geeinigt habt.

00:41:50: Ja, wir haben ja eben über das Timing gesprochen, das war ja nicht nur dein schlechtes Timing,

00:41:55: wann du nach Mainz gegangen bist, sondern es war einfach mal ein Timing, wo zum Haare

00:42:01: raufen, dass die Bundesregierung, die Regierung der größten, wichtigsten Volkswirtschaft

00:42:09: Europas an dem Tag auseinanderfliegt, an dem Donald Trump wieder gewählt wird. Das war

00:42:15: schon enorm und Robert Habeck hat hier im Podcast auch gesagt, ja, das war ein Fehler, das hätte

00:42:20: er jetzt genau so nicht machen wollen, aber es ließ sich dann eben nicht mehr lösen.

00:42:25: Und man muss auch dazu sagen, es ist durchaus auch mutig gewesen von Friedrich Merz schon

00:42:30: so seit Ende des vergangenen Jahres, ich glaube seit Herbst des vergangenen Jahres, zu sagen,

00:42:38: wir sind übrigens bereit zu regieren. Er hat die Erwartungen extrem hochgeschraubt,

00:42:45: also die Frage, wie schwierig wird das Regieren für ihn und für seine Bundesregierung, wird

00:42:51: sich ja auch messen an dem, was er selber gesagt hat. Und er hat zusammen mit CDU und CSU ja

00:42:58: auch keine Gelegenheit ausgelassen zu sagen, das könnten wir besser. Also das in dieser

00:43:04: Situation, wir würden schnellere, klare Entscheidungen treffen und auch die besseren

00:43:11: Entscheidungen treffen. Das ist insofern mutig gewesen, als er jetzt in einer Situation ist,

00:43:17: in der er genau das wirklich nachweisen muss, denn die Rahmenbedingungen haben sich nicht

00:43:20: verbessert. Es ist schwierig, es ist noch schwieriger geworden. Er bricht möglicherweise mit

00:43:29: den USA ein Partner, ein Verbündeter weg, der immer, also in den vergangenen Jahren und nicht

00:43:36: erst seit der ersten Amtszeit Donald Trump Absetzungstendenzen gezeigt hat von Europa,

00:43:43: aber der jetzt wirklich auf dem Weg zu sein scheint, oder mit einem Fuß im autoritären

00:43:50: Lager sozusagen landet. Also wahnsinnig, wahnsinnig schwierige Bedingungen und unter

00:43:55: diesen Bedingungen und unter Beweis zu stellen, dass man es besser kann. Hut ab, also da kann

00:44:02: man nur viel Glück wünschen. Ich habe dich eben gefragt, ob du denkst, dass sich Friedrich

00:44:06: Merz verrechnet hat, wie die Wahl ausgehen würde, dass er sich deshalb so selbstgewiss gezeigt hat.

00:44:14: Jens Üddekum, mit dem ich gestern ein Interview gemacht hat, glaubt das, dass Friedrich Merz

00:44:20: sich verrechnet hat, dass er von anderen Mehrheitsverhältnissen im neuen Bundestag

00:44:24: ausging. Üddekum ist Professor für internationale Volkswirtschaftslehre an der Uni Düsseldorf,

00:44:30: ist Mitglied der SPD, sollte man auch dazu sagen und ist einer der vier Ökonomen, die die Idee zu

00:44:38: den gigantischen Schuldenpaketen für Verteidigung und Infrastruktur hatte und der sagt, ja, Merz,

00:44:44: damit will ich jetzt den Ausschnitt einleiten aus dem Interview, das ich da gestern geführt habe,

00:44:50: er sagt, ja, Merz habe jetzt politisches Vertrauen, verspielt keine Frage, er habe aber noch ein

00:44:56: anderes Problem. Trotz der vielen, vielen Milliarden, die auf einmal zusätzlich da sein, wird trotzdem

00:45:03: so Süddekum nicht genug Geld im Haushalt für Merz andere Wahlversprechen da sein.

00:45:10: Das ist natürlich eine sehr missliche Situation für die Friedrich Merz, aber natürlich ein

00:45:17: Stück weit auch verantwortlich ist, denn das Angebot, die Grundgesetzänderung zu machen,

00:45:23: das hat ja immer bestanden in den letzten Monaten. Es ist einfach eine andere Welt jetzt, also wir

00:45:28: können uns nicht mehr auf die USA verlassen, wir müssen ganz dringend in die eigene Verteidigung

00:45:31: investieren und die SPD und Grün haben immer gesagt, wollen wir nicht jetzt sofort auch noch

00:45:37: vor der Wahl die Reform der Schuldenbremse machen, aber das hat Merz ja abgelehnt. Ich glaube,

00:45:43: er hat kalkuliert, dass das Wahlergebnis so sein wird, dass man auch neu im Bundestag diese

00:45:47: zwei Drittel Mehrheit hat in der demokratischen Mitte, also ohne AfD und ohne Linke, aber diese

00:45:54: Rechnung ist eben nicht aufgegangen und das war dann klar. Und ja, dann musste eben so gesehen,

00:45:59: gab es gar keine andere Alternative mehr als die Grundgesetzänder, eben sofort zu machen,

00:46:04: bevor man über den Rest reden konnte. Das ist ja dann auch gelungen, die Grundgesetzänderung und

00:46:11: jetzt muss so gesehen das andere Thema, wie kriegt man jetzt die Probleme im Kernhaushalt

00:46:15: gelöst, die muss man jetzt eben als neuen, völlig unabhängigen Verhandlungspunkt sehen,

00:46:20: denn die paradoxe Situation ist, wir haben quasi jetzt viel mehr Geld, aber nur für zwei Dinge,

00:46:26: Verteidigung und Infrastruktur. Bei allem anderen, also darunter auch Frage der Steuersenkung,

00:46:32: bei allem anderen gilt weiter die Schuldenbremse und wir haben kein Geld und da ist eigentlich

00:46:38: das Problem, dass der CDU-Wahlkampf generell hatte, das taucht jetzt eben wieder auf. Die CDU

00:46:42: hat im Wahlkampf allen das Blaue vom Himmel versprochen, alle möglichen Steuersenkungen,

00:46:47: viele, viele Leute, viele Ökonomen, auch ich haben gesagt, Leute, das ist nicht gegenfinanziert,

00:46:52: da kommt ein riesiges Loch von 100 Milliarden auf uns zu, wenn wir diese Steuersenkung mal eben

00:46:56: so machen, da ist einfach kein Geld für da, haben wir vor der Wahl gesagt und das gilt auch jetzt,

00:47:02: also für all diese Projekte ist trotz der Schuldenbremsenform aktuell einfach kein Geld

00:47:07: haben und das ist die finanzpolitische Realität und die muss jetzt offensichtlich überall,

00:47:12: erst mal bei allen kommen. Daraus, glaube ich, erklärt sich wirklich der große Frust auch

00:47:17: bei der Union, der ganz sicher durchschlägt auf die Verhandlungen, die jetzt laufen,

00:47:21: so dass man da und dort schon hört, sag mal, zur SPD gewandt, ihr habt 16,4 Prozent, also das muss

00:47:29: ich jetzt auch mal abbilden im Ergebnis, dass wir mit 28, noch was Prozent deutlich besser abgeschnitten

00:47:35: haben, aber auch nicht gigantisch viel besser, jedenfalls nicht so, dass sich Mehrheiten im

00:47:41: Bundestag ergeben, die all diese Anstrengungen nicht hätten verlangt, etwa sich mit den Grünen

00:47:48: noch mal ins Benehmen zu setzen und so weiter und so fort, wir haben es schon angetippt, aber ich will

00:47:52: auch noch mal fragen, wie konnte das eigentlich passieren, dass man das der Union, also die

00:47:57: Wählerinnen und Wähler, abgekauft haben, was sie versprochen hat, denn sie haben es gesagt,

00:48:01: dass das hinten und vorne nicht klappen kann. Es gab andere auch lageübergreifend, die Ökonomen,

00:48:08: die gesagt haben, das ist nicht gegenfinanziert, dann hat Friedrich Merz ja an irgendeiner Stelle

00:48:13: mal blicken lassen, dass er sich irgendwann sehr wohl auch eine Reform der Schuldenbremse

00:48:18: vorstellen könnte, davor stehen da aber alles andere, zum Beispiel Einsparungen und auch genügend

00:48:25: viel Wachstum der Zustande käme und der dann sicherlich die Haushaltslage beruhigen könnte.

00:48:32: Er hatte auch gesagt, das ginge alles ohne höhere Steuern für Spitzenverdienende oder

00:48:38: Vermögen da ab, das alles hatte ja die SPD anders gesehen und nochmal kriegt die jetzt sehr viel

00:48:43: mehr als ihr laut Wahlergebnis eigentlich zustimmen? Das würde ich so nicht sehen,

00:48:50: ich glaube bei diesen Fragen ist es nicht, dass die SPD hier der Gegner ist, der CDU-Vorstellungen,

00:48:55: sondern die Realität ist der Gegner. Man kann ja nicht einfach jetzt Steuersenkungen machen,

00:49:02: weil man das gerne möchte und die Frage unbeantwortet lassen, wie man dann einen Haushalts

00:49:07: zusammenbauen will. Das geht eben aus meiner Sicht nicht. Ich glaube die SPD, soweit ich das sehe,

00:49:13: ist gar nicht dagegen Steuern zu senken oder auch gegen diese andere Projekte,

00:49:18: etwa Mütterrente oder so, das ist ja ein CSU Baby, die SPD hat gar nichts dagegen, aber sie sagt halt,

00:49:24: sagt uns bitte wo das finanziert werden soll oder wie das finanziert werden soll und dieser

00:49:30: Teil der fehlt. Also auch in der AG, soweit ich gehört habe, ist eben zu dieser Frage dagegen

00:49:35: Finanzierung, bloß gesagt da müssen wir irgendwo sparen und die anderen AGs, die anderen 15 AGs,

00:49:41: die müssen dann irgendwelche Einsparungen liefern. Das Problem ist die anderen 15 AGs,

00:49:45: die haben das Gegenteil geliefert. Also viele haben sich zwar schön geeinigt, aber typisch

00:49:50: haben sie sich geeinigt auf schöne Mehrausgaben. Also ich glaube die AG Kultur Medien, soweit ich

00:49:56: das gehört habe, irgendwo was zwischen 4 und 8 Milliarden und die anderen halt auch. Und das

00:50:01: heißt konkret, wo man jetzt genau sparen kann, abseits der Überschriften eben. Also man kann

00:50:07: immer sagen, wir wollen irgendwas beim Bürgergeld sparen, aber das dann konkret zu machen, wie man

00:50:12: das bewerkstelligen will, wie viel man konkret sparen will, durch welches Instrument, wie das dann

00:50:16: kompatibel ist mit Verfassungsgerichtsurteilungs usw. Das ist halt alles nicht beantwortet. Also in

00:50:22: sofern glaube ich, das Problem in den Haushaltsverhandlungen hier jetzt gerade, insbesondere

00:50:28: bei der Position der Union ist nicht die SPD, sondern ist die Realität. Was hast du beim

00:50:33: Zuhören gedacht? Dieser Satz gefällt mir sehr gut, der Gegner ist die Realität. Ja, jetzt stehen

00:50:44: Union und SPD genau da, wo die Ampel in ihren letzten Monaten auch die ganze Zeit stand. Ja.

00:50:51: Das habe ich ja auch gelernt. Und mir ging eben auch nochmal durch den Kopf, dass die Ampel ja

00:50:58: unter anderem auch deshalb dort stand, weil es aus der Mitte der Union die Klage gab gegen

00:51:08: den Haushalt. Sie stehen unter anderem da, weil Wolfgang Schäuble's Mahnung an die Union,

00:51:15: vielleicht die Schuldenbremse früher zu reformieren, zu öffnen, irgendwie mal behutsam

00:51:21: dran zu gehen, nicht gehört wurde. Also da ist ja schon noch ein Stück eigenes Verschulden mit

00:51:27: dran. Und ich bin sehr gespannt, wie das im Koalitionsvertrag gelöst wird, ob man sich

00:51:34: tatsächlich auf eine fertige Rechnung einigen kann am Ende, wo alles gegengerechnet ist und

00:51:41: auch alle Expertinnen sagen, das geht auf. Das wäre ein mittelgroßes Wunder, glaube ich,

00:51:48: denn bisher sieht ja keiner, dass eine große Instrument mit dem alles finanziert werden kann.

00:51:53: Oder ob die schwarz-rote Koalition sagt, na ja, dann fahren wir auf Sicht. Wir einigen uns

00:52:01: jetzt eben erst auf ein paar Punkte und die wirklich schwierigen Dinge, die vertagen wir

00:52:10: dann auch später. Also die Idee gab es ja auch schon mal, eine Art Rumpf-Koalitionsvertrag zu machen

00:52:15: und danach ein nochmal zu verhandeln. Was die Sache mit Sicherheit nicht einfacher macht,

00:52:19: wenn man sich schon kennt und sich gegenseitig vielleicht auch weniger gönnt als in den Anfangstagen.

00:52:25: Aber ja, war wirklich wunderbar ausgedrückt von Herrn Südekum. Ja, fand ich auch. Das ganze

00:52:34: Interview ist eben interessant, fand ich. Und da habe ich eben dran gedacht, als du sagtest,

00:52:38: du findest es gut, dass man nochmal erklärt, was ist eigentlich eine Schuldenbremse, wie funktioniert

00:52:42: sowas. Jens Südekum kann wirklich sehr, sehr gut erklären. Wir veröffentlichen das Interview in

00:52:49: voller Länge im Übrigen am Freitag und es lief unter der Überschrift "Löst Geld, Deutschlands

00:52:54: Probleme". Und da sind wir durch alles durchgetaucht, durch das man da so durchtauchen kann. Wir haben es

00:53:01: angesprochen gerade. Ohne richtig viel Geld ist Regierung unwahrscheinlich schwer, aber was ich

00:53:09: so besonders fand, auch an dem, was Herrn Südekum erklärt hat, ist, dass ja jetzt der Eindruck

00:53:14: entstanden ist bei vielen Menschen, mit denen ich so spreche, wow, plötzlich ist total gigantisch

00:53:22: viel Geld da, dass das aber zusätzlich gedacht ist und nur in Teilen auf den regulären Haushalt

00:53:29: einspart, weil du etwa bei der Verteidigung auch manches jetzt einsparen kannst, was du durch die

00:53:35: Aussetzung der Schuldenbremse an der Stelle dann darüber finanzieren kannst. Ich glaube, das ist

00:53:40: gar noch nicht bei allen angekommen, oder? Ich glaube, es ist die ganz große Hoffnung da, dass

00:53:45: dieses Geld jetzt sofort hilft bei der Beseitigung der Dinge, die am meisten auf die Nerven gehen.

00:53:50: Also zum Beispiel marode Brücken. Also passend zur Situation wird da in Berlin auch noch irgendwie

00:53:56: die Brücke gesperrt und es sind wieder zigtausend Menschen, die sagen, meine Güte, warum funktioniert

00:54:02: hier bei uns nichts mehr. Also je nachdem, wen man fragt, sagen die einen, super, für Infrastruktur,

00:54:08: ich nehme das alles in Kauf, es ist viel zu viel Geld, es sind viel zu viel Schulden, aber das ist

00:54:12: in Ordnung, wenn es danach hier wieder läuft und wenn es dann eben auch der Wirtschaftweils besser

00:54:17: läuft, wieder besser geht. Die anderen sagen, ich nehme das in Kauf, weil ich glaube, dass wir

00:54:22: eine andere Verteidigung brauchen als früher. Also es sind tatsächlich diese beiden Säulen, die tragen

00:54:27: bei den Leuten als Argument. Das merken wir auch in Umfragen. Also ist man zwar nicht begeistert

00:54:33: davon, dass das jetzt Schulden in ungekannten Ausmaß aufgenommen werden, aber es ist doch die

00:54:39: Hoffnung damit verbunden, dass es etwas bewirkt. Und das ist dann eben die entscheidende Frage.

00:54:45: Da sind wir wieder bei diesem Thema Leistungsfähigkeit von Demokratie. Das macht das Regieren vielleicht

00:54:55: so schwierig, dass man nicht an der einen Stelle ein bisschen was machen kann und dann darauf hoffen

00:54:59: kann, dass man dafür wieder gewählt wird, sondern es muss wirklich so eine Art großer

00:55:03: Wurf gelingen, wo die Leute das Gefühl haben, bei all der Streiterei, die wir da gehabt haben,

00:55:08: bei den Grundsatzauseinandersetzungen ist am Ende trotzdem was gelungen, was uns allen gut tut.

00:55:13: Ja, aber dafür wäre eben wichtig auch, glaube ich, es zu erklären. Das meinte ich eben,

00:55:20: das sieht ja auch hier in Südekum selbst bei denjenigen, die in den Arbeitsgruppen sitzen,

00:55:26: dass die nicht verstanden haben, dass jetzt nicht plötzlich Geld im Übermaß da ist, sondern dass

00:55:31: dieses Geld für ganz bestimmte Zwecke gedacht ist und du jetzt nicht hingehen kannst du komm,

00:55:36: frei beer für alle, nach Medizinflut. Jetzt gibt mal mehr 4 bis 8 Milliarden für Kultur und Medien,

00:55:43: wobei ich natürlich wäre bescheuert, wenn ich sagte, dass ich das Thema nicht wichtig finde.

00:55:47: Ich glaube, es wird auch das total spannend, weil ja ganz oft gesagt wurde Olaf Scholz kann

00:55:53: nicht kommunizieren, der erklärt dann nicht gut genug, was die Bundesregierung macht. Dann gab es

00:55:58: weile lang Beobachter, die selbst wenn sie habe nicht mochten gesagt haben, okay, der springt

00:56:03: da manchmal in die Bresche und macht verständlich, was die Ampel da gerade vor hat. Also ist ein

00:56:09: ordentlicher Kommunikator. Wer wird die Rolle in übernehmen in der neuen Bundesregierung? Also

00:56:15: wird es Personen geben, die dieses Erklären eben hinbekommen und dann muss es am Ende, glaube ich,

00:56:21: gar nicht so sehr bis aufs letzte Komma ausgerechnet funktionieren. Das haben wir ja jetzt gesehen.

00:56:26: Es gab A-Gezweifel an den Finanzplänen aller Parteien in dem Wahlkampf. Alle haben zu viel

00:56:34: versprochen, aber trotzdem hat das die Leute ja nicht davon abgehalten, die Parteien zu wählen.

00:56:41: Also trotzdem ist Friedrich Merz mit seinem Versprechen da ernst genommen worden. Es muss

00:56:45: nicht bis aufs letzte Komma stimmen, aber es muss wirklich eine schlüssige Erzählung da sein,

00:56:50: die eben auch die Wahrhaftigkeit in sich trägt, dass man die Dinge, die man da verspricht, auch

00:56:56: wirklich machen möchte und ja, man muss erklären können, wie man da hinkommen will.

00:57:01: Die Realität ist das Problem, sagt Ian Südekommen, der Satz hat dir gefallen und bezieht sich da in

00:57:08: erster Linie auf die finanzpolitische Realität und die Haushaltslage unseres Landes. Es lässt sich ja

00:57:14: aber auch auf die Weltlage ausweiten. Das haben wir eben schon mal angetippt. Das sind ja jetzt

00:57:20: Bedingungen, die enorm herausfordernd sind. Müssten da bei allem was aus den USA und aus dieser

00:57:29: sich immer neu bildenden und immer krasser zeigenden Administrationen herüber schwappt,

00:57:36: müssten da jetzt nicht alle Beteiligten merken, dass gerade mal gar keine Zeit mehr für Klientelpolitik

00:57:43: ist. Ja, exakt. Würde ich so unterschreiben. Punkt. Und beobertest du das, dass es geschieht?

00:57:48: Ja, leider eben nicht. Es ist dann vielleicht auch die Frage, wie wir alle gemeinsam auf Verhandlungen

00:57:55: schauen. Also wenn wir immer fragen, wer hat denn jetzt am meisten dabei rausgeholt? Wer hat

00:58:00: sich jetzt durchgesetzt? Auch die Frage vorhin ist ja nicht unberechtigt zu sagen, die SPD mit dem

00:58:05: schlechtesten Wahlergebnis aller Zeiten bekommt aber jetzt relativ viele Punkte durch, die sie

00:58:10: gerne hätte. Das ist die Realität. Es ist ein möglicher Koalitionspartner da, wenn man nicht

00:58:16: gleich wieder neu wählen möchte und dann kriegt er eben mehr, als er unter anderen Umständen

00:58:20: bekommen würde. Aber wir alle schauen drauf und sagen, wer kriegt was? Und das ist natürlich

00:58:26: ein Ansatz, wenn man nur unter diesem Gesichtspunkt drauf schaut, kommen wir ja nie zu der Frage,

00:58:32: was bringt es dann am Ende? Und es ist auch ein Stück weit Selbstkritik, weil das,

00:58:38: weil wir ja auch als Journalistinnen mittragen und mitbefördern. Aber es ist ja zum Glück auch

00:58:45: nicht alles, was wir machen. Wir erklären ja dann doch noch Hintergründe rechts und links.

00:58:48: Ja, und wollte ich sagen, also ich glaube zum Beispiel, dass bei dieser Entscheidung, dass man

00:58:54: diese gigantischen Schuldenpakete aufsetzt, dass man für die Verteidigung die Schuldenbremse

00:59:01: aussetzt, für alles was jenseits von einem Prozent des Bruttoinlandesproduktes ist und das nach oben

00:59:08: hin noch nicht mal deckelt. Das ist ja eine, bis er nie da gewesen Entscheidung gewesen. Sie wurde

00:59:15: schon mal angedacht, aber umgesetzt worden ist sie nicht. Dann nimmst du dieses Sondervermögen für

00:59:20: Infrastruktur und Erreichung von Klimaneutralität mit 500 Milliarden, auch Zahlen, die man so

00:59:27: nicht kannte. So im ersten Anflug, auch im Übrigen, das ist an dem Wochenende, nachdem es diesen

00:59:35: Eklat im Oval Office gegeben hatte. Im ersten Angang haben es ja alle gefeiert, haben gesagt, wow,

00:59:41: sowohl in Europa als auch in Deutschland selber hat man gedacht, das ist jetzt die Zeit für so

00:59:48: einen großen Wurf. Und da ist es meiner Erinnerung und Wahrnehmung nach nicht abgebucht worden,

00:59:55: um mindestens zu allererst als ein Zugeständnis an die SPD, sondern man hat gesagt, das ist eine

01:00:00: gute Entscheidung. Warum das dann wieder verloren geht jetzt und man denkt auch vielleicht unionsseitig,

01:00:09: man jetzt müssen wir aber dafür was bekommen, müsste so ja gar nicht sein, wenn man sagte,

01:00:15: da gab es doch gar keine Alternative. Wahrscheinlich gibt es die auch einen für die Union zu sagen,

01:00:20: es gab keine Alternative, ich weiß nicht genau. Ist verbrannt, der Satz, nein, also ich glaube,

01:00:27: das kollektive Gedächtnis ist einfach sehr kurz, das haben wir auch in Umfragen gesehen,

01:00:33: also diese Zustimmung, genau das, was du gesagt hast, direkt nach dem Eklat im Oval Office war

01:00:38: riesig. Alle haben gesagt, ja klar, jetzt diese Satz, whatever it takes, hätten wahrscheinlich alle

01:00:43: unterschrieben. Und dann jetzt nur wenige Wochen später ist die deutlich abgesagt wieder. Es ist

01:00:50: also, wenn nicht mehr diese, die Dringlichkeit nicht mehr mit Händen zu greifen ist, sind wir

01:00:56: sehr schnell wieder im klein klein der parteipolitischen Auseinandersetzung. Das ist ja,

01:01:03: die Frage, muss das so sein? Es ist zumindest, glaube ich, in diesen Zeiten nicht besonders klug.

01:01:08: Es ist kurzfristig tatsächlich eine Möglichkeit, die eigene Klientel zu beruhigen und zu signalisieren,

01:01:19: wir vergessen nicht komplett, wer wir sind und wir geben nicht alles auf, was wir für richtig halten,

01:01:24: aber mittelfristig, wenn es dann nicht einzuhalten ist und wenn es sich nur in so Konjunkturen bewegt,

01:01:33: je nach Tageslage und Laune, dann verprällt es, glaube ich, die Leute mehr als das es sie

01:01:38: bindet. Haben wir es aus deiner Sicht sowohl personell als auch inhaltlich mit überraschend

01:01:47: vielen Wiedergängern und Wiedergängeren zu tun, habe ich mich jetzt gefragt und habe dabei nicht

01:01:53: nur an das Personal gedacht, wenngleich ich da auch ganz viele schon in Funktionen gesehen habe,

01:02:01: was ja aber auch nicht zwingende Nachteil sein muss, weil man sagt, ein bisschen Erfahrung,

01:02:05: wenn der zukünftige Kanzler sie schon nicht hat, schadet eventuell dem ganzen Unternehmen nicht,

01:02:12: aber auch bei den Themen dachte ich, hm, Migrationspolitik, das gestritten worden ist,

01:02:19: über Zurückweisungen an den Grenzen, das hat schon Angela Merkel und Horst Seehofer in die Nähe

01:02:27: des Bruchs der Union geführt, das kannte man auch schon alles. Das jetzt vor dem Hintergrund all dessen,

01:02:34: was wir als neu beschrieben haben, kommt einem doch ja ganz schön bekannt vor, oder?

01:02:40: Ja, das stimmt zugleich. Ist es ja auch nur ein Beleg dafür, dass diese Themen eben auch nicht

01:02:47: ausreichend bearbeitet worden sind oder es zumindest keine Lösung für bestimmte Problemstellungen gibt,

01:02:53: als ich 2018/19 nach Berlin gezogen bin und mich dann vorbereitet habe auf meinen neuen Job,

01:03:00: dort hatte ich mir als erstes mal die Parteiprogramme der im Bundestag vertretenen Parteien

01:03:07: vorgenommen und hatte mir angeschaut, wo stehen die jetzt, wo standen sie im Parteiprogramm davor?

01:03:11: Und da sieht man eigentlich, dass wir in den letzten 20, 25 Jahren, also im Prinzip im letzten Viertel

01:03:17: Jahrhundert, uns nicht viel von der Stelle bewegt haben. Die Problembeschreibungen sind durchweg

01:03:22: dieselben gewesen. Diese Probleme haben sich mittlerweile viel weiter zugespitzt und dass,

01:03:30: dass sie jetzt eine so große Rolle wieder gespielt haben, hat eben, glaube ich, auch etwas damit

01:03:35: zu tun, dass die Menschen das Gefühl haben, irgendwas müssen wir damit machen. Wir können

01:03:41: dann nicht einfach bei zuschauen. Das große Problem ist, dass die Antworten darauf so unterschiedlich

01:03:47: ausfallen und dass wir gerade in dem Wahlkampf gesehen haben, dass sich so eine Lagerbildung

01:03:53: verfestigt hat. Also zurzeit haben wir eine Stimmung, in der die Menschen vor allem denen glauben,

01:04:00: denen sie sich ohnehin nachfühlen und den anderen die Kompetenz weitestgehend absprechen. Das ist

01:04:06: natürlich schwierig, weil dann kommst du nicht mehr ins Gespräch, dann wird jeder Kompromiss als

01:04:11: Niederlage wahrgenommen. Und da sind wir dann wieder beim Thema, wie schwierig wird regieren unter

01:04:16: solchen Unter solchen Umständen, wenn eben ein Kompromiss nicht mehr als gute handwerkliche

01:04:21: politische Arbeit angesehen wird in einer Demokratie, sondern einfach als Verrat an dem, was man mir

01:04:27: mal versprochen hat. Also so eine Art Convenience-Politik. Es muss zudem passen, was ich heute

01:04:32: möchte und nicht so zu dem, was vielleicht einer Gesellschaft insgesamt am meisten bringt.

01:04:37: Denkst du, das ist, wenn du so willst, die letzte Chance für eine Regierung aus der demokratischen

01:04:47: Mitte heraus? Oder hältst du das für eine allzu dolle Schwarzmalerei, dass man sagt,

01:04:56: diese Regierung aus Schwarz-Rot ist jetzt wirklich zum Erfolg verdammt, denn sonst gnaht uns Gott?

01:05:03: Ich halte mich immer sehr zurück bei diesen Formulierungen von letzter Chance, aber tatsächlich

01:05:10: sehen wir ja in der Entwicklung, wenn wir uns umschauen in Ländern um uns herum,

01:05:17: wenn wir uns jetzt auch bei uns selbst umschauen, eine Tendenz dazu, dass die Menschen, die das

01:05:24: Vertrauen in die Demokratie verlieren und dann auch gewillt sind, Parteien zu wählen,

01:05:30: die versprechen das System komplett umzubauen. Mir fehlt dabei immer die Beschreibung der

01:05:37: Alternative, denn dieses berühmte Move Fast and Break Things, was wir jetzt aus den USA

01:05:44: wieder sehen, das mag ja in manchen Kreisen beliebt sein, aber wir sehen ja eben in den

01:05:49: USA jetzt auch wirklich in der Praxis, was das heißt. Ich räume erstmal alles ab,

01:05:53: ich werfe zigtausende Menschen aus ihrem Job raus und dann fällt mir dabei auf Ruch,

01:05:58: da sind auch welche dabei, die wir wirklich für unsere Sicherheit und für das Funktionieren

01:06:02: des Staates brauchen, dann finde ich sie nicht wieder. Also lange Rede, kurze Sinn. Diese

01:06:10: Endzeitstimmung ist, glaube ich, nie angebracht, wenn man auch an die Erneuerungskräfte von

01:06:15: Demokratie glaubt. Und Demokratie ist etwas, was wir selber tragen müssen und worum wir

01:06:21: uns selber bemühen müssen und was wir selber immer wieder aushandeln müssen. Und das ist

01:06:25: nicht bequem, das ist nicht angenehm und gerade in dieser Situation nicht, wo wir darüber

01:06:30: entscheiden müssen, wie wir in Zukunft leben wollen und können, was wir da bereit sind,

01:06:35: dafür aufzugeben und zu bezahlen. Aber es ist schon, es liegt schon nahezu sagen, wenn

01:06:42: diese Bundesregierung die Menschen nicht wenigstens in Teilen davon überzeugt, dass in der Demokratie

01:06:51: auch was funktioniert oder geändert werden kann, dann werden die Stimmen wahrscheinlich

01:06:57: noch weiter an die Ränder wandern.

01:06:58: Deshalb lasst uns den konstruktiven Blick nehmen, den wir immer am Ausgang unserer Folgen nehmen.

01:07:07: Ich habe mich gefragt, man könnte ja das Ganze, was wir schon angeguckt haben, auch

01:07:12: genau umdrehen. Du kannst sagen, dass eine Grundgesetzänderung geklappt hat. Gleich

01:07:19: drei auf einmal noch mit alten Mehrheiten von mir aus. Aber dass es gelungen ist, zeugt

01:07:25: ja von großmaß an Kompromissbereitschaft, von Verantwortungsbewusstsein davon, dass

01:07:31: in schwierigen Zeiten auch ungewöhnliche Wege gegangen werden können. Selbst in Deutschland,

01:07:37: wo wir ja sehr gerne sehr pessimistisch denken, wo aber dann nehmen wir allein dieses Beispiel

01:07:44: und nehmen es mal als ein positives Kurz, dann gelingt hier ja was, was in anderen Ländern,

01:07:51: etwa Frankreich, Großbritannien, auch die USA, haben wir schon angetippt, was da nicht

01:07:57: gelingt. Also könnte man da nicht sagen, guck mal, es klappt doch, wenn es hart auf hart

01:08:01: kommt?

01:08:02: Ja, tatsächlich kann man das so sagen. Ich erinnere mich auch daran, dass wir im Wahlamt

01:08:07: darüber mit Karl Rudolf Korte auch gesprochen haben, der zu meiner Überraschung sagte,

01:08:13: wir stehen sehr gut da in Deutschland, weil die Mitte eben noch steht. Und das hatte

01:08:16: ich nicht erwartet, dass er so antworten würde.

01:08:18: Da hast du unseren Podcast nicht gehört, weil Karl Rudolf Korte war auch bei uns in der

01:08:22: Folge vor der Wahl und ich freute mich, dass ich ihn dann am Sonntag mit dir oder beim

01:08:28: ZDF sehe und dann dachte ich, ey, sagt mal, der war so guter Dinge und so, das habe ich

01:08:33: wirklich erwartet.

01:08:34: Genau, doch, da hatte ich ihn gehört und dann habe ich aber gedacht, er wird sich nach dem

01:08:37: Wahlergebnis vielleicht ein bisschen revidieren, also er wird es vielleicht einschränken,

01:08:43: in Klammern setzen oder irgendwelche Vorbehalte formulieren, das hat er nicht gemacht. Und

01:08:48: tatsächlich kann man ja feststellen, dass es eben noch Kompromisse in der Mitte gibt,

01:08:57: aber die Frage, muss es immer erst im letzten Moment funktionieren, Unterdringlichkeit.

01:09:03: Und dann auch hinter, also begleitet sein von Erzählungen, die nicht das Gemeinsame

01:09:12: herausstellen. Denn eine Sache muss man ja auch betonen. Die Ampel ist, glaube ich, auch

01:09:18: deshalb gescheitert, weil sie von außen unter Druck stand, dem sie nicht gemeinsam genug

01:09:25: entgegengestellt hat, sondern sie haben sich, die drei Parteien haben sich gegenseitig in

01:09:31: wichtigen Momenten nicht in Schutz genommen, haben eher daran gearbeitet, das eigene

01:09:36: Profil zu stärken und sich dann abzusetzen von den anderen und haben natürlich so dazu

01:09:40: beigetragen auch, dass das Misstrauen, das gegenseitige Misstrauen, gewachsen ist. Also

01:09:46: es muss keiner den Koalitionspartner umarmen und nur lieb haben, aber das darzustellen

01:09:52: und klar zu machen, dass gemeinsames Regieren auch bedeutet, Abstriche zu machen und das,

01:09:59: was man beschlossen hat, auch zu tragen, mitzutragen. Das gehört schon dazu, wenn man

01:10:05: eine politische Kultur erhalten will, die eben den Kompromiss als Gewinn sieht.

01:10:11: Hast du vollkommen recht? Und war übrigens auch natürlich der Plan, den die Ampel ganz

01:10:16: am Anfang hatte, dass sie wertschätzend miteinander umgeht, dass sie dem anderen

01:10:20: Dinge gönnen, dass nur so solche Verabredungen und Koalitionsbildungen funktionieren könnten,

01:10:26: wie es Kubicki und Habeck aus Schleswig-Holstein kannten und da schon mal vorgemacht haben.

01:10:31: Und so das haben wir eigentlich alles da gehört, gelangen ja zunächst auch. Da tragen auch

01:10:37: nichts raus zum Beispiel anders als jetzt aus den Verhandlungen zur Neubildung dieser Koalition

01:10:42: und man dachte, eieiei, das ist jetzt ein neuer Ton, das ist ja klasse eigentlich, verlor

01:10:47: sich dann aber irgendwann.

01:10:49: Der konstruktive Blick für mich übrigens, oder Blickwinkel für mich ist übrigens der,

01:10:54: dass wir vielleicht in der Krise jetzt doch alle miteinander nochmal genau hinkucken,

01:10:59: was ist eigentlich Demokratie und was haben wir davon? Wir haben das jetzt über Jahrzehnte

01:11:06: genießen dürfen, muss ich mal sagen, mit der Einschränkung, die du eben zurecht gemacht

01:11:12: hast, die Menschen, die in der DDR aufgewachsen sind und die die Wiedervereinigung miterlebt

01:11:17: haben, haben nochmal ganz andere Lebenserfahrungen gemacht, aber nichtsdestotrotz, auch da

01:11:23: sind jetzt mehrere Jahrzehnte schon ins Land gegangen in demokratischen Verhältnissen

01:11:29: und haben, wir haben das glaube ich an vielen Stellen einfach für selbstverständlich genommen

01:11:34: und in der derzeitigen Lage schauen glaube ich doch eine Menge Menschen nochmal hin und

01:11:40: sagen, okay, warte mal, was habe ich hier, was ich anderswo nicht habe, was passiert

01:11:46: in Staaten, in denen die Demokratie nach und nach ausgehöhlt wird, also will ich das

01:11:51: eigentlich auch, also wird es eine Selbstvergewisserung und es ist eine Selbstvergewisserung mit

01:11:57: offenem Ausgang, ich will nicht sagen, dass es zwingend so ausgehen muss, dass wir am

01:12:01: Ende wieder sagen, also wie es jetzt ist, war es eigentlich super und damit sind wir zufrieden,

01:12:06: aber es passiert eben und das finde ich ist ein Vorteil, denn wir brauchen aktive Beteiligung

01:12:12: an Demokratie.

01:12:13: Hast du vollkommen recht? Letzte Frage ist immer, wie schwierig ist Regierung geworden,

01:12:19: wie stehen wir bei der Frage in einem Jahr wohl da?

01:12:23: Wir werden es besser wissen.

01:12:26: Ich hoffe nicht, vor der nächsten Bundestagswahl.

01:12:29: Ich traue uns in diesen Zeiten mehr Volatilität zu als früher, aber ich gebe der kommenden

01:12:37: Bundesregierung doch mehr als zwölf Monate.

01:12:39: Shakuntala Banati, Dankeschön, dass du bei uns warst und viel Zeit geschenkt hast und

01:12:48: tatsächlich, ja das hat Spaß gemacht, fand ich ganz toll, vielen, vielen Dank.

01:12:53: Fand ich auch, vielen Dank.

01:12:55: Der Redaktionsschluss für diese Folge war Mittwoch der 26.

01:12:58: März 2025 um 17.30 Uhr und die Redaktionen haben gemacht Felix Schlagwein, Melissa

01:13:04: Görlehin, Executive Producerin ist Marie Schiller, Producer sind Maximilian Frisch, Patrick

01:13:10: Zahn, Lukas Hambach, Sounddesign macht Hannes Husten.

01:13:13: Wenn ihr Werbung schalten wollt bei uns, dann könnt ihr das machen, wendet euch bitte an

01:13:17: die Mitvergnügen, die macht für uns die Vermarktung und das Ganze ist eine Produktion

01:13:22: der Medienmedia.

01:13:23: Dankeschön, Dankeschön Shakuntala.

01:13:24: [Musik]

01:13:38: Das ist nichts?