Löst Geld Deutschlands Probleme? Mit Jens Südekum
Shownotes
Die neue Regierung ist noch nicht im Amt, hat sich durch die milliardenschweren Schuldenpakete aber schon ein nie da gewesenes finanzielles Polster geschaffen. Aber löst das viele Geld auch Deutschlands Probleme? Darüber spricht Anne Will in dieser Folge mit dem Ökonomen Jens Südekum. Er ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und einer der einflussreichsten Ökonomen Deutschlands. Er ist auch einer der vier "Architekten" des jüngst beschlossenen Schuldenpakets, das sich auf über eine Billion Euro summieren könnte. Denn von deren Vorschlägen hat die künftige Regierung die meisten Punkte übernommen - und ist in Teilen sogar darüber hinausgegangen. Das hätte er nicht für möglich gehalten, sagt Südekum. Dennoch wird es jetzt in den Koalitionsverhandlungen kompliziert für SPD und Union. Denn während des Wahlkampfs hatte vor allem Letztere etwa weitreichende Entlastungen für Bürger und Unternehmen versprochen. Laut Ökonom Südekum sind die aber nicht umzusetzen. Denn die künftige Regierung hat zwar deutlich mehr Geld zur Verfügung, aber nur für Verteidigung und Infrastruktur. Wahlkampfversprechen wie zum Beispiel Steuersenkungen könnten damit nicht abgedeckt werden: "Da kommt ein riesiges Loch von 100 Milliarden auf uns zu, wenn wir diese Steuersenkungen mal ebenso machen. Da ist einfach kein Geld für da." Deshalb sei es nicht die SPD, die die Wahlversprechen in den Koalitionsverhandlungen der Union kippe, sondern die Realität.
Wie das Milliardenpaket zustande kam und welche Maßnahmen die Politik nun treffen muss, damit mit dem Geld auch wirklich vieles besser wird - darüber spricht Anne Will mit Jens Südekum in dieser Folge. Außerdem stellen sie Gedankenspiele an, was man wohl für 500 Milliarden Euro alles kaufen könnte und klären, was es mit dem Wort "Verschiebebahnhof" auf sich hat.
Der Redaktionsschluss für diese Folge war Dienstag, 25. März 2025, um 17:30 Uhr.
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WICHTIGE QUELLEN:
Handelsblatt, Die Schulden-Ökonomen? Wo die Grenzen der Politikberatung liegen, 19.03.2025
SZ, Wer den historischen Schuldendeal wirklich erfunden hat, 19.03.2025
FAZ, So gibt die SPD in der Wirtschaftspolitik den Ton an, 25.03.2025
Die Zeit, Zu viel versprochen, 24.03.2025
Spiegel, Die Angst der Union vor den [eckigen Klammern], 24.03.2025
SZ, Was bekommt man für 500 Milliarden Euro?, 20.03.2025
Stellungnahme von Veronika Grimm zu den Grundgesetzänderungen, 12.03.2025
IMPRESSUM Redaktion: Felix Schlagwein, Melisa Gürleyen Executive Producerin: Marie Schiller Producer: Patrick Zahn, Lukas Hambach Sounddesign: Hannes Husten Vermarktung: Mit Vergnügen GmbH Eine Produktion der Will Media GmbH
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00:00:00: Was heißt denn nun eigentlich Verschiebebahnhof auf Englisch?
00:00:03: Oh Gott, ich habe es gegugelt und ich habe es wieder vergessen.
00:00:06: "Shorting Station", glaube ich.
00:00:08: "Shorting Yard", "Shorting Yard".
00:00:10: Und sagt das dasselbe, was es im Deutschen sagt?
00:00:12: Ich glaube im Englischen, soweit ich das überblicke,
00:00:15: ist das nicht so dieses geflügelte Wort,
00:00:17: wie ist das jetzt in Deutschland geworden ist in der Haushaltspolitik.
00:00:21: Aber dass wir dieses Wort jetzt nicht erfunden haben,
00:00:24: aber zumindest irgendwie sozusagen wieder ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben
00:00:27: und unser kleines Papier, das bin ich stolz drauf.
00:00:30: Ihr hört den Podcast, Eures Vertrauens,
00:00:53: in dem sich sowieso immer richtig was lernen lässt,
00:00:55: in denen wir heute aber sogar noch ein kleines Englisch-Tutorial eingebaut haben,
00:00:59: habt ihr gehört? Herzlich willkommen dazu.
00:01:02: Freu mich sehr, dass ihr dabei seid.
00:01:04: Ich freue mich, dass wir heute mal was einlösen,
00:01:06: was uns ein paar von euch schon ein paar Mal geschrieben haben.
00:01:10: "Mach doch mal eine Folge zur Wirtschaft",
00:01:12: hieß es da, zur wirtschaftlichen Lage Deutschlands,
00:01:15: dazu, dass Deutschland wirtschaftlich auf viele Probleme hat
00:01:18: und dass es dafür doch irgendwelche Lösungen geben müsste.
00:01:21: Das machen wir.
00:01:22: Und dafür sind uns die gigantischen Schuldenpakete,
00:01:25: die Union, SPD und Grüne noch schnell mit dem alten Bundestag beschlossen haben,
00:01:30: einen Tiptop-Anlass, 500 Milliarden Euro für Infrastruktur
00:01:35: und keine Obergrenze mehr für Verteidigung.
00:01:38: "Löst Geld Deutschlands Probleme",
00:01:41: das fragen wir uns in dieser Folge und fragen es einen der Ökonomen,
00:01:46: die die Idee dazu hatten, die dafür verantwortlich sind,
00:01:50: jetzt mal richtig viele Schulden zu machen.
00:01:52: Bei uns ist der Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre
00:01:56: an der Universität in Düsseldorf, nämlich in Südekum.
00:02:00: Hallo Herr Südekum. - Hallo Frau Will.
00:02:02: Freue mich, dass Sie dabei sind und schon rekoriert haben auf das Papier,
00:02:06: was wirklich viel ausgelöst hat.
00:02:08: Dass Sie wissen wollten, was Verschiebebahnhof auf Englisch heißt,
00:02:12: liegen nämlich genau daran.
00:02:14: Ich hatte das bei ex gelesen, da hatten Sie das gepostet.
00:02:17: Sie sollten Interviews auf Englisch zu den gigantischen Schuldenpaketen
00:02:22: und zum Sondierungspapier von Union und SPD geben.
00:02:26: Was war Ihr Arckwohn, was wohin,
00:02:29: auf welchen Bahnhof verschoben werden sollte?
00:02:32: Denn das taucht in dem Papier ja auch gleich zweimal auf.
00:02:35: Wir hatten ja ursprünglich diese sogenannten Sondervermögen vorgeschlagen,
00:02:41: Infrastruktur 500 Milliarden, so wie es ja auch gekommen ist.
00:02:45: Und jetzt ist natürlich das Problem,
00:02:47: wenn es das Sondervermögeninfrastruktur gibt, dann besteht die Gefahr,
00:02:51: dass man im normalen Haus alles, was bisher für Infrastrukturinvestitionen
00:02:56: ausgegeben wurde, das waren ungefähr gut 50 Milliarden,
00:03:00: dass man die einfach nimmt in das Sondervermögenpakt,
00:03:03: dann hat man plötzlich 50 Milliarden Platz an Steuereinnahmen,
00:03:06: die man für irgendwas anderes ausgeben kann.
00:03:09: Und dieses Bild, das haben wir wie so eine Verschiebebahnhof,
00:03:12: so gesehen verstanden.
00:03:13: Also man verschiebt das Geld in Sondervermögen
00:03:16: und schiebt andere Sachen dann plötzlich an andere Stelle,
00:03:20: sei es für Rente, sei es für irgendwas.
00:03:22: Und das ist ja eigentlich nicht so, wie wir uns das gedacht haben
00:03:26: und auch nicht so, wie es sein sollte.
00:03:28: Sehen Sie die Gefahren denn jetzt gebannt?
00:03:30: Die Gefahr ist deutlich kleiner geworden,
00:03:34: insbesondere auch durch die Initiative der Grünen.
00:03:38: Die waren ja erforderlich, um die Zweidrittelmehrheit zu bekommen.
00:03:41: Und die haben ja eben gesagt, also Leute,
00:03:43: wir machen hier nicht bei einer Grundgesetzänderung mit,
00:03:45: damit ihr schön Geld habt, was ihr dann für eure Wahl versprechen.
00:03:49: Sei es jetzt Mütterrente oder Senken der Mehrwertsteuer in der Gastronomie
00:03:53: oder Agrar diese Subventionen.
00:03:55: Wir besorgen euch jetzt nicht das Geld für eure Beschenke,
00:03:59: sondern wir wollen, wenn wir eben dieses Sondervermögeninfrastruktur einrichten,
00:04:04: dass dieses Geld wirklich zusätzlich obendrauf
00:04:07: ausschließlich für Infrastrukturinvestitionen auch ausgegeben wird.
00:04:10: Und das ist ziemlich gut gelungen, nicht perfekt vielleicht.
00:04:16: Die Grünen haben da der jetzt sich bildenden GroKo
00:04:18: auch einiges an Raum tatsächlich gelassen, netterweise.
00:04:23: Aber insgesamt, würde ich sagen, ist es ganz gut gelungen,
00:04:26: dieses Verschiebebahnhof-Problem ziemlich klein zu halten.
00:04:29: Aber wir wissen das noch nicht.
00:04:31: Wir zeichnen auf am Dienstag den 25. März 2025 am frühen Abend.
00:04:37: Der neue Bundestag hat sich heute konstituiert.
00:04:40: Die neue Regierung steht aber ja noch nicht.
00:04:43: Union und SPD verhandeln weiter und wir hören,
00:04:47: es hakt dem Vernehmen nach bei den Themen Migration,
00:04:50: Arbeit und Soziales, aber auch Wirtschaft, Steuern und Finanzen.
00:04:53: Sie sind, Herr Süddeck, Mitglied der SPD,
00:04:56: sitzen auch im wissenschaftlichen Beirat,
00:04:58: des derzeit noch von den Grünen geführten Bundeswirtschaftsministeriums.
00:05:02: Sie haben ja viele Kontakte, woran hängt es da jetzt vor allem?
00:05:06: Und sehen Sie das, kommen auf Ihre Antwort von gerade zurück.
00:05:09: Alles gelöst oder haben Sie da weiterhin den Verschiebebahnhof arg wohnen?
00:05:16: Wenn man sich die Einigung zu diesem großen Finanzpaket
00:05:20: einmal im Detail anschaut, das waren ja zwei Elemente.
00:05:23: Das war zum einen dieses Infrastruktur-Sondervermögen,
00:05:25: die 500 Milliarden.
00:05:27: Da würde ich sagen, ist dieses Prinzip der Zusätzlichkeit
00:05:30: sehr gut verankert.
00:05:31: Also da gibt es eigentlich keine Verschiebebahnhof.
00:05:33: Es gibt den Verschiebebahnhof bei dem anderen Element,
00:05:36: nämlich bei den Verteidigungsausgaben.
00:05:38: Es ist ja jetzt die Regel, dass alles, was für Sicherheit ausgegeben wird,
00:05:43: oberhalb von 1% des Bruttoinlandsprodukts,
00:05:46: dass das eben kreditfinanziert werden darf.
00:05:49: Und es wurde ein sogenannte erweitertes Sicherheitsbegriff dazu gelegt.
00:05:52: Also nicht nur militär, bundeswehrausgaben im engeren Sinne,
00:05:56: sondern auch Heimatschutz, Bundesnachrichtendienst,
00:06:00: Ausgabe für Ukrainehilfen usw.
00:06:02: Und wenn man da schaut, das war im letzten Bundeshaushalt
00:06:06: eher so Richtung 2% Bruttoinlandsprodukt, wenn man jetzt rechnet.
00:06:11: 1% muss man im Kernhaushalt bezahlen.
00:06:14: Dann hat man aber plötzlich Raum von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
00:06:17: Das sind so ungefähr 40 Milliarden Euro,
00:06:20: die man jetzt quasi, die man früher steuerfinanziert hat,
00:06:23: die man jetzt kreditfinanzieren darf.
00:06:25: Das heißt, da ist jetzt ein bisschen Verschiebebahnhof.
00:06:28: Also diese 40 Milliarden kann man jetzt sowas anderes nehmen.
00:06:32: Und jetzt ist es aber interessanterweise so.
00:06:35: Und das haben die Grünen wirklich, wie ich sehr clever gesehen,
00:06:39: dass nämlich im Bundeshaushalt sowieso
00:06:42: ein Loch ungefähr in der größten Ordnung von 40 Milliarden Euro bestanden hat.
00:06:46: Das gab es quasi sowieso schon.
00:06:48: Das hatte gar nichts zu tun jetzt mit den Wahlprogrammen,
00:06:52: mit den Sondierungspapieren usw.
00:06:54: Dieses Loch war ohnehin da.
00:06:56: Und diese 40 Milliarden Verschiebebahnhof, die jetzt da entstanden sind,
00:07:00: die können jetzt quasi geschlossen werden.
00:07:02: Das heißt, das Haus als Loch ist weg.
00:07:03: Das ist erst mal eine gute Nachricht.
00:07:05: Die schlechte Nachricht ist,
00:07:07: alles, was jetzt in diesem Sondierungspapier steht,
00:07:09: was SPD und Union gerne machen würden,
00:07:12: also Mütterrente, Agrardiesel, Penderpauschale, Steuersenkungen.
00:07:17: Für all das ist kein Gelder, ist überhaupt kein Gelder,
00:07:21: zumindest nicht sofort.
00:07:23: Und das ist das Problem jetzt bei den ganzen
00:07:25: Sondierungs- und Koalitionsverhandlungen gewesen,
00:07:27: auch in der AG 16, wo es um Finanzen ging.
00:07:31: Die sollten eigentlich im Prinzip ein Plan aufstellen
00:07:34: und konnten sich aber nicht einigen.
00:07:36: Denn die Union würde gerne an vielen Stellen die Steuern senken,
00:07:40: wenn ein Einkommenssteuer bei den Unternehmen steuern,
00:07:43: wie man hört sogar bei der Abschaftsteuer,
00:07:45: da gibt es ja jetzt auch noch das Problem Solidarität zu stark.
00:07:48: Da wissen wir jetzt gerade nicht, wie es ausgeht.
00:07:50: Das Bundesverfassungsgericht entscheidet jetzt,
00:07:52: ob da die verbleibenden 10 Prozent, die noch erhoben worden sind,
00:07:57: ob das nicht rechtmäßig war und dann ausgesetzt oder gegebenenfalls,
00:08:01: habe ich gestern gelesen, auch zurückzahlt werden müssten.
00:08:04: Das wäre ja ein Wahnsinn.
00:08:05: Das wäre ein Wahnsinn, genau.
00:08:06: Das heißt aber selbst über das mal außen vorlassen,
00:08:09: auch die anderen Steuersenkungen, die die Union gerne machen würde,
00:08:12: dafür ist erst mal kein Geld da.
00:08:16: Und dieses Problem muss jetzt gelöst werden.
00:08:21: Das hat die AG nicht geschafft.
00:08:22: Das muss jetzt sozusagen nach oben zu den Chefs
00:08:24: und da müssen wir gucken, ob es überhaupt eine Lösung
00:08:27: für diese Finanzfrage gibt.
00:08:29: Ja, und das halte ich jetzt für wirklich das ganz große Problem,
00:08:33: was da entstanden ist, was sich womöglich aus der ganzen Genese ergibt,
00:08:37: wie das ganze Ding jetzt zustande gekommen ist,
00:08:40: dass eben zuallererst dann die Lockerung der Schuldenbremse stand,
00:08:44: bezogen auf die Verteidigungsausgaben,
00:08:47: aber auch bezogen auf das sehr, sehr große Sondervermögen
00:08:50: für die Infrastruktur, dass man das vorher,
00:08:54: bevor es dann in die wirklichen Verhandlungen ging,
00:08:57: da war ja noch Sondierungsphase, dass man das da schon verabredet hat.
00:09:01: In der Lesart vieler ist das ja jetzt der erste Verhandlungserfolg der SPD gewesen
00:09:06: und der erste Wortbruch allerdings der Union und von Friedrich Merz im Speziellen.
00:09:12: Und das, Friedrich Merz das auch sieht, dass er an Glaubwürdigkeit verloren hat,
00:09:18: hat er erkennen lassen, können wir uns mal gemeinsam anhören.
00:09:21: Am Freitag, da war er bei einer Veranstaltung der FHZ, wo auch klar wurde,
00:09:26: er kann jetzt nicht weiter runter, von dem war es er im Wahlkampf versprochen hat.
00:09:31: Hören wir mal.
00:09:32: Wir standen eben vor der Abwägung gar nichts zu machen
00:09:35: und abzuwarten, bis die Koalitionsverhandlungen abgeschlossen sind
00:09:39: oder jetzt legitim und natürlich legal mit dem zu Ende gehenden Bundestag
00:09:46: noch weitreichende Entscheidungen zu treffen.
00:09:47: Und wir haben uns dann nach sorgfältiger Abwägung,
00:09:50: auch in der CDU, auch in der CSU gemeinsam zu diesem Weg entschlossen.
00:09:55: Ich weiß, dass ich jetzt einen sehr hohen Kredit in Anspruch genommen habe,
00:10:00: auch was meine persönliche Glaubwürdigkeit betrifft.
00:10:03: Wir werden den zweiten Teil dessen, was wir jetzt in einer zukünftigen Koalition verabreden wollen,
00:10:11: aufschreiben und liefern müssen.
00:10:14: Und das sind wir mitten drin.
00:10:15: Wie sehr Ihrem Eindruck nach, nachdem was Ihnen berichtet wird,
00:10:19: aus den Arbeitsgruppen, speziell der, die sich mit Finanzen und Steuern befasst,
00:10:24: wie sehr belastet all das diese schnelle Entscheidung noch mit dem alten Bundestag,
00:10:30: aber auch der damit einhergehende Glaubwürdigkeitsverlust für Friedrich Merz,
00:10:34: den er selber sieht, jetzt die weiteren Verhandlungen und Schluss endlich dann auch der Ergebnis.
00:10:39: Das ist natürlich eine sehr missliche Situation für die Friedrich Merz,
00:10:45: aber natürlich ein Stück weit auch verantwortlich ist.
00:10:47: Denn das Angebot, die Grundgesetzänderung zu machen,
00:10:51: das hat ja immer bestanden in den letzten Monaten.
00:10:54: Es ist einfach eine andere Welt jetzt.
00:10:55: Also wir können uns nicht mehr auf die USA verlassen.
00:10:57: Wir müssen ganz dringend in die eigene Verteidigung investieren.
00:11:01: Und die SPD und Grün haben immer gesagt, wollen wir nicht jetzt sofort auch noch vor der Wahl
00:11:07: die Reform der Schuldenbremse machen.
00:11:09: Aber das hat Merz ja abgelehnt.
00:11:11: Ich glaube, er hat kalkuliert, dass das Wahlergebnis so sein wird,
00:11:14: dass man auch im neuen Bundestag diese zwei Drittel Mehrheit hat in der demokratischen Mitte,
00:11:19: also ohne AfD und ohne Linke.
00:11:22: Aber diese Rechnung ist eben nicht aufgegangen.
00:11:24: Und das war dann klar.
00:11:26: Und ja, dann musste eben so gesehen, gab es gar keine andere Alternative mehr,
00:11:29: als die Grundgesetzänder eben sofort zu machen, bevor man über den Rest reden konnte.
00:11:36: Das ist ja dann auch gelungen, die Grundgesetzänderung.
00:11:38: Und jetzt muss so gesehen das andere Thema, wie kriegt man jetzt die Probleme im Kernhaushalt gelöst,
00:11:45: die muss man jetzt eben als neuen, völlig unabhängigen Verhandlungspunkt sehen.
00:11:48: Denn die paradoxe Situation ist,
00:11:50: wir haben quasi jetzt viel mehr Geld, aber nur für zwei Dinge.
00:11:54: Verteidigung und Infrastruktur.
00:11:56: Bei allem anderen, also darunter auch Frage der Steuersenkung,
00:12:00: bei allem anderen gilt weiter die Schuldenbremse und wir haben kein Geld.
00:12:05: Und da ist eigentlich das Problem, dass der CDU-Wahlkampf generell hatte,
00:12:09: das taucht jetzt eben wieder auf.
00:12:10: Die CDU hat im Wahlkampf allen das Blaue vom Himmel versprochen.
00:12:14: Alle möglichen Steuersenkungen, viele, viele Leute, viele Ökonomen, auch ich,
00:12:18: haben gesagt, Leute, das ist nicht gegenfinanziert.
00:12:20: Da kommt ein riesiges Loch von 100 Milliarden auf uns zu.
00:12:23: Wenn wir diese Steuersenkung mal eben so machen, da ist einfach kein Geld für da,
00:12:26: haben wir vor der Wahl gesagt und was wir da gesagt haben, das gilt auch jetzt.
00:12:30: Also für all diese Projekte ist trotz der Schuldenbremsenform aktuell einfach kein Geld da.
00:12:35: Und das ist die finanzpolitische Realität und die muss jetzt offensichtlich überall erst mal bei allen ankommt.
00:12:41: Daraus, glaube ich, erklärt sich wirklich der große Frust auch bei der Union,
00:12:46: der ganz sicher durchschlägt auf die Verhandlungen, die jetzt laufen,
00:12:50: so dass man da und dort schon, sag mal, zur SPD gewandt.
00:12:54: Ihr habt 16,4 Prozent, also das muss ich jetzt auch mal abbilden,
00:12:59: im Ergebnis, dass wir mit 28, noch was Prozent deutlich besser abgeschnitten haben,
00:13:04: aber auch nicht gigantisch viel besser,
00:13:06: jedenfalls nicht so, dass sich Mehrheiten im Bundestag ergeben,
00:13:11: die all diese Anstrengungen nicht hätten verlangt,
00:13:15: etwa sich mit den Grünen nochmal ins Benehmen zu setzen und so weiter und so fort.
00:13:18: Wir haben es schon angetippt, aber ich will auch nochmal fragen,
00:13:21: wie konnte das eigentlich passieren, dass man das der Union,
00:13:24: also die Wählerinnen und Wähler, abgekauft haben, was sie versprochen hat?
00:13:28: Denn Sie haben es gesagt, dass das hinten und vorne nicht klappen kann.
00:13:33: Es gab andere auch lageübergreifend, die Ökonomen, die gesagt haben, das ist nicht gegenfinanziert.
00:13:39: Dann hat Friedrich Merz ja an irgendeiner Stelle mal blicken lassen,
00:13:42: dass er sich irgendwann sehr wohl auch eine Reform der Schuldenbremse vorstellen könnte,
00:13:47: vorstünde aber alles andere, z.B. Einsparungen und auch genügend viel Wachstum der Zustande käme
00:13:56: und der dann sicherlich die Haushaltslage beruhigen könnte.
00:14:01: Er hatte auch gesagt, das ginge alles ohne höhere Steuern für Spitzenverdienende oder Vermögen da ab.
00:14:07: Das alles hatte ja die SPD anders gesehen und nochmal kriegt die jetzt sehr viel mehr,
00:14:12: als ihr laut Wahlergebnis eigentlich zustünden?
00:14:15: Das würde ich so nicht sehen. Ich glaube, bei diesen Fragen ist es nicht,
00:14:20: dass die SPD hier der Gegner ist, der CDU-Vorstellungen, sondern die Realität ist der Gegner.
00:14:25: Man kann ja nicht einfach jetzt Steuersenkungen machen, weil man das gerne möchte
00:14:31: und die Frage unbeantwortet lassen, wie man dann einen Haushalt zusammenbauen will.
00:14:36: Das geht eben aus meiner Sicht nicht. Ich glaube, die SPD, soweit ich das sehe,
00:14:41: ist gar nicht dagegen Steuern zu senken oder auch gegen diese andere Projekte,
00:14:46: etwa Mütterrente oder so. Das ist ja ein CSU-Baby. Die SPD hat gar nichts dagegen,
00:14:51: aber sie sagt halt, sagt uns bitte, wo das finanziert werden soll oder wie das finanziert werden soll.
00:14:57: Und dieser Teil, der fehlt, also auch in der AG, soweit ich gehört habe, ist eben zu dieser Frage
00:15:02: dagegen Finanzierung. Bloß gesagt, da müssen wir irgendwo sparen. Und die anderen AGs,
00:15:07: die anderen 15 AGs, die müssen dann irgendwelche Einsparungen liefern. Das Problem ist,
00:15:12: die anderen 15 AGs, die haben das Gegenteil geliefert. Also viele haben sich zwar schön geeinigt,
00:15:18: aber typisch haben sie sich geeinigt auf schöne Mehrausgaben. Also ich glaube,
00:15:22: die AG Kultur Medien, soweit ich das gehört habe, irgendwo was zwischen 4 und 8 Milliarden
00:15:26: und die anderen halt auch. Und das heißt konkret, wo man jetzt genau sparen kann,
00:15:33: abseits der Überschriften eben. Also man kann immer sagen, wir wollen irgendwas
00:15:37: beim Bürgergeld sparen, aber das dann konkret zu machen, wie man das bewerkstelligen will,
00:15:41: wie viel man konkret sparen will, durch welches Instrument, wie das dann kompatibel ist mit
00:15:45: Verfassungsgerichtsurteilung usw. Das ist halt alles nicht beantwortet. Also insofern glaube ich,
00:15:51: das Problem in den Haushaltsverhandlungen hier jetzt gerade, insbesondere bei der Position der Union,
00:15:57: ist nicht die SPD, sondern ist die Realität. Und diese Begegnung mit der Realität. Dann vor
00:16:03: dem Hintergrund, dass man ja aber trotzdem auch als Bürgerinnen und Bürger das Gefühl hat,
00:16:07: "Pleuzchen unerwartet" war ja unfassbar viel Geld da. Das glaube ich, ist schwer zu ertragen.
00:16:15: Das ist auch für Verhandler glaube ich, schwer zu managen, dass man immer wieder sagen muss,
00:16:19: er mag ja sein, dass er von den ganz tollen Projekten träumt und dass das eure politische
00:16:24: Überzeugung ist. Aber wir werden das nicht finanzieren können, weil wir trotz der gigantischen
00:16:29: Schuldenpakete echt ein richtiges Problem haben. Ich glaube, das ist noch nicht überall durchgedrungen,
00:16:34: oder? Nein, das ist noch nicht durchgedrungen. Ich glaube, es ist auch, sagen wir mal, so ein
00:16:38: Spezialistenthema. Also wer jetzt ein bisschen drinsteckt in dem ganzen Thema Haushaltspolitik,
00:16:42: der versteht das natürlich schon. Aber ich glaube, für viele Leute, viele Menschen draußen,
00:16:46: ist es einfach nur, "Ach, jetzt hat der Bund hier eine Billion Schulden, sich genehmigt,
00:16:52: jetzt ist Geld für alles da." Aber so ist es eben nicht. Es war ja auch so von Ihnen, glaube ich,
00:16:58: nicht gedacht. Also darauf will ich gerne jetzt mal kommen, dass auch mal so ein bisschen erzählen,
00:17:03: soweit ich das nachgelesen habe. Sie wissen es besser, denn Sie waren dabei. Schon vier Tage
00:17:08: nach der Bundestagswahl, am 27. Februar setzen sich auf Initiative des Saarlandischen Finanzministers
00:17:15: Jakob von Weizecker, der zur SPD gehört, setzen Sie sich mit drei anderen Wirtschaftswissenschaftlern
00:17:21: zusammen, um zu überlegen, was jetzt finanzpolitisch passieren müsste, damit eine neue Regierung
00:17:27: handlungsfähig werde. Mitarbeiter sind Michael Hüter, Direktor des Instituts der Deutschen
00:17:33: Wirtschaft, Moritz Schulerig, Präsident Kiel-Institut für Weltwirtschaft und Sie, damit drei Ökonomen,
00:17:40: die seit langem schon für eine Lockerung der Schuldenbremse geworben haben, wie es auch die
00:17:46: SPD seit langem will. Aber Jakob von Weizecker, der Saarlandische Finanzminister, holt auch noch
00:17:54: Clemens Fuß dazu, für Münchner IFO-Institut. Das war, glaube ich, wichtig, weil der durchaus auch
00:18:00: CDU oder FDP-nahe Positionen vertritt oder vertreten hat. Sie fangen um 20 Uhr an und sind um
00:18:07: 22 Uhr fertig. Warum ging das bei unterschiedlichen Positionen und bei so einem schweren Thema eigentlich
00:18:13: so schnell? Ja, ich glaube, das Themengebiet Verteidigung, das war sowieso Konsens. Das haben
00:18:21: wir alle gesehen. Da muss was passieren und da muss nicht nur ein bisschen was passieren, sondern
00:18:26: was wirklich Groß ist, auch als Signal. Nicht zuletzt am Bladimä-Putin, da waren wir uns alle sehr
00:18:31: schnell einig. Jetzt beim Thema Infrastruktur kann man sagen, da gab es vielleicht noch zwei
00:18:37: Sichtweisen. Eine war, sagen, dann machen wir erstmal nur Verteidigung machen, dieses Infrastrukturthema
00:18:43: später im neuen Bundestag, weil da wird die Linke dann schon irgendwie mitmachen. Da habe ich dann
00:18:47: aber relativ früh gesagt, das geht nicht. Also aus politischen Gründen alleine nicht, weil nicht
00:18:54: nur die SPD hat ja gesagt, dass sie nur mehr Schulden für die Verteidigung alleine nicht
00:19:01: zustimmen wird, sondern dass sie eben diese Verbindung sieht, Verteidigung und Infrastruktur.
00:19:05: Das hat zum Beispiel Michael Kretschmer aus Sachsen ganz genau so gesagt, Rainer Haseloff aus
00:19:11: Sachsen anerbt, ganz genauso. Also viele der Unionsministerpräsidenten haben ihrerseits auf
00:19:15: diesem Infrastrukturteil bestanden. Das ist ja der, der gerade für die Länder auch am wichtigsten ist.
00:19:21: Das ist jetzt das politische Argument, aber auch ökonomisch. Das bringt ja nichts, wenn wir
00:19:27: plötzlich ganz viele Panzer haben und die können dann nicht durch lang fahren, weil überall die
00:19:30: Brücken kaputt sind. Also das ist ja absurd. Also allein da gibt es eine Verbindung der beiden Themen.
00:19:35: Aber auch jetzt ganz allgemein geht es doch jetzt in der geopolitischen Lage, in der wir sind,
00:19:40: nicht nur militärische Stärke, es geht auch um wirtschaftliche Stärke. Und ich mir jetzt die
00:19:46: ganzen Handelskonflikte mit Donald Trump gerade überlege. Das wissen wir, der handelt nicht mit
00:19:50: Schwächlingen, sondern wenn wir da was erreichen wollen, müssen wir wirtschaftlich stark dastehen.
00:19:55: Und allein deshalb brauchen wir beides. Also wir brauchen den Militärteil und wir brauchen aber
00:20:00: auch diesen Infrastrukturteil, der ja neben einer Verbesserung der Infrastruktur auch massive
00:20:06: Wachstumsauswirkungen haben wird. Dass Wirtschaftsfraktionen nach oben ziehen wird,
00:20:10: die Situation insgesamt verbessern wird. Das wissen wir jetzt. Es gibt mittlerweile etliche
00:20:14: Studien von Vorschlägeinstituten, von Banken, die das gezeigt haben. Insofern gehört das für mich
00:20:19: nicht nur politisch, sondern auch ökonomisch zusammen. Und das würde ich sagen haben dann
00:20:24: auch relativ schnell alle vier ganz genauso gesehen. Und Sie einigen sich auf einen Papier,
00:20:29: in dem Sie dann schreiben erstens. Der alte Bundestag sollte noch vor Beginn der neuen
00:20:35: Legislatur des Sondervermögen Bundeswehr aufstocken und ein weiteres Sondervermögeninfrastruktur
00:20:41: daneben stellen. Und zweitens, beide Sondervermögen sollten sehr groß dimensioniert sein,
00:20:47: vor allem als Signal an Putin, dass Deutschland es ernst meint. Für Bundeswehr bietet sich eine
00:20:53: Größenordnung von 400 Milliarden Euro an, für Infrastruktur, Bund und Länder mindestens
00:20:59: derselbe Betrag eher 4 bis 500 Milliarden Euro abhängig von den einzubeziehenden
00:21:05: Infrastrukturbereichen. Die Werte sind jeweils in Preisen von 2025. Die Größenordnungen können
00:21:12: plausibel hergeleitet werden, sind also nicht aus der Luft gegriffen. Hätten Sie gedacht,
00:21:17: dass das klappt? Ganz ehrlich, dass das so klappt, das hätte ich mir nicht denken können. Da haben wir
00:21:26: nicht mitgerechnet. Weil der Infrastrukturteil, der wurde ja eins zu eins übernommen. Im
00:21:31: Verteidigungsbereich ist man ja so gesehen über unsere Vorschläge sogar noch hinausgegangen und
00:21:36: hat uns quasi unbegrenzte Verteidigungsmöglichkeiten ermöglicht durch die Reform der Schuldenbremse.
00:21:41: Das hätte ich mir ehrlich gesagt nicht träumen lassen. Ja, also ich versuche mir vorzustellen,
00:21:48: Sie klappen, Ihre Klassen alle zu sagen kommt. Das ist es jetzt. Was hatten Sie erwartet,
00:21:53: was passiert? Keine Ahnung. Normalerweise ist es ja so, ich mache das ja schon ein bisschen länger,
00:22:00: das mit der Politikberatung. Ich habe auch schon oft irgendwelche Papiere geschrieben und irgendwo
00:22:04: eingereicht und dann ist gar nichts mehr passiert. Also dann wurden die irgendwo abgehäftet oder nicht
00:22:09: zur Kenntnis genommen und das war halt diesmal komplett anders. Ich glaube, wir waren da, wenn man
00:22:16: so will, einfach nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Ich würde jetzt auch unseren Einfluss
00:22:22: dann nicht übertreiben wollen. Also ich glaube, dass Sie jetzt nicht so vorstellen, dass die eigentlich
00:22:27: was ganz anderes vor hatten und nur weil unser Papier da plötzlich lag, haben Sie das so gemacht.
00:22:31: Ich würde unsere Rolle vielleicht mal vergleichen mit einem Team von Hebammen. Also ich meine,
00:22:41: es ist einfach eine schwierige Geburt und Hebammen können da sehr wichtig sein, extrem wichtig,
00:22:46: damit eine Geburt auch gelingt. Aber damit eine Hebamme helfen kann, muss die Frau auch erst mal
00:22:51: schwanger sein. Sonst bringt es nichts. Und ich würde mal sagen, die Frau war schwanger im
00:22:56: vertragenen Sinne. Also sprich die Koalition, das Sondierungs-Team war bereit für eine Reform
00:23:01: der Schuldenbremse und in dem Moment war unser Papier genau zur richtigen Zeit eben da, um eben
00:23:07: einen Puls zu liefern, die Diskussion zu strukturieren und dann hat man sich eben wirklich sehr, sehr
00:23:12: eng an unseren Vorschlägen orientiert. Sie sitzen am Donnerstag zusammen an diesem 27. Ihr Papier
00:23:19: wird dann zur Tischvorlage für die Gespräche der Sondierer am Tag danach und wird von den
00:23:25: Sozialdemokraten wohl als Konsens der Top-Ökonomen lagerübergreifend in Deutschland beworben. Auch
00:23:33: im Vorsatz ihres Papiers heißt es oder betonen sie auch selber, dass das eine lagerübergreifende
00:23:39: Runde der Ökonomen sei. Und danach lautet die Frage dann in der Runde der Sondierer,
00:23:46: soweit man nachlesen kann und erzählt bekommt, wohl nicht mehr, ob die Schuldenbremse gelockert
00:23:52: wird und wir erinnern uns, Friedrich Merz wollte das nicht, sondern nur noch wie sehr. Dienstag ist
00:23:59: dann die Sache beschlossen und ich glaube, wir alle kennen dieses Bild, das Friedrich Merz,
00:24:03: Markus Söder, Lars Klingball und Saskia Esken zur PK bitten und Friedrich Merz dann das hier sagt.
00:24:09: Angesichts der Bedrohungen unserer Freiheit und des Friedens auf unserem Kontinent muss jetzt auch
00:24:15: für unsere Verteidigung gelten, whatever it takes. Und danach buchstabiert er aus, dass für die
00:24:22: Infrastruktur diese 500 Milliarden auch genommen werden. Versuch mir vorzustellen, was Sie gedacht
00:24:28: haben, als Sie die PK gesehen haben, sowas wie knif mich oder wow, das ist es jetzt? Ja, ich habe
00:24:35: es erst auch nicht geglaubt, aber dann kam auch sofort natürlich die ersten Anrufe von Ihren
00:24:40: Kolleginnen und Kollegen von diversen Medien, die irgendeinen Kommentar haben wollte. Insofern
00:24:44: müsste ich mich erst mal kurz schütteln und dann aber natürlich auch sagen, ich finde das gut,
00:24:49: weil es zu, ich würde mal sagen, 90 Prozent unseren Vorschlägen entsprochen hat. Von daher ist es
00:24:55: dann ja nicht verwunderlich, dass ich es auch positiv sehe und jetzt nicht plötzlich Probleme habe.
00:24:59: Und von daher habe ich eben ja auch gesagt, dass erstes das kann dann echter Gamechanger werden,
00:25:05: und zwar militärisch, aber eben auch wirtschaftlich. Also man muss sich vor Augen halten dieser
00:25:12: 27. Februar, da wissen Sie noch nicht, was im Oval Office passiert. Das passiert ja am Tag
00:25:19: danach und ich glaube, dass der Zusammenstoß zwischen Donald Trump und JD Vance und Volody
00:25:26: Meyselensky, das glaube ich, hat sehr viele Menschen nochmal, also wahrscheinlich letztgültig
00:25:33: durchgeschüttelt und man hatte das Gefühl, oh Gott, oh Gott, jetzt muss gerade Deutschland ein
00:25:39: deutliches Zeichen setzen, was es Sicherheits- und Verteidigungspolitisch machen will, sowohl für
00:25:45: unser Land als auch für Europa und die Welt. Und entsprechend begeistert wurde, glaube ich,
00:25:51: in dem Moment dieses Papier und der Vorstoß und die vielen, vielen Milliarden, die man aufwenden
00:25:57: will, wahrgenommen. Aber jetzt ist mein Eindruck fast, das bröckelt so ein bisschen. Teilen Sie
00:26:02: den Eindruck? Ich würde nicht sagen, dass es bröckelt. Ich glaube, vielen wird jetzt eben nach
00:26:10: und nach klar, dass es mit Geld alleine nicht getan sein wird. Also das ist jetzt eben so gesehen
00:26:17: der schwierige Teil eigentlich anfängt, dass man jetzt dafür sorgen muss, dass aus dem vielen
00:26:21: Geld dann eben auch tatsächlich eine bessere Infrastruktur und mehr militärische Sicherheit
00:26:27: wird. Und das ist jetzt eben die große Aufgabe der Koalition. Wir fragen ja in der Folge, löst
00:26:34: Geld Deutschlands Probleme? Und da geht das ja genau hin, dass es Strukturreformen bräuchte,
00:26:40: dass es mehr bräuchte als das schiere Geld. Ich will aber noch mal hören, ob sie sich mit ihrem
00:26:47: Papier auf eine Art auch ein bisschen ausgenutzt gefühlt haben. Denn Friedrich Merz geht ja zum
00:26:54: Beispiel hin im Bundestag, um klar zu machen, warum er sich dagegen entschieden hat und sagt, bitte,
00:27:00: da ist wirklich, wirklich viel passiert. Aber er sagt ausgabe die namhaftesten Ökonomen in Deutschland,
00:27:07: die genau das lageübergreifend geraten hätten, dass man jetzt die Schuldenbremse lockert, dass
00:27:13: man das irrschnell mit einer Grundgesetzänderung ins Werk setzt, dass man gigantische Höhen
00:27:19: beschließt, ohne dass man danach, das war ihm in dem Moment natürlich auch klar, noch so was wie
00:27:26: eine Verhandlungsmaße hätte und ohne das vorher Strukturreform verabredet worden wären. Veronica
00:27:33: Grimm, Mitglied im Sachverständigenrat, eine der sogenannten Wirtschaftswiesen, macht Ihnen jetzt
00:27:38: in einem Artikel im Handelsblatt, jedenfalls vergangene Woche, durchaus Vorwürfe. Zitat, es war
00:27:43: absehbar, dass die Politik die Vorschläge der Ökonomen ausnutzt. Die Politik habe warnende
00:27:50: Stimmen wirkungslos machen wollen, als sie das Papier der vier initiiert habe und damit,
00:27:56: Zitat, alle vorvollendete Tatsachen gestellt hat. Haben Sie sich jetzt von der Politik in
00:28:01: gewisser Weise vor den Karren spannen lassen? Nein, ich fühle mich überhaupt nicht ausgenutzt.
00:28:07: Also wenn ich Vorschläge unterbreite und die werden zu 90 Prozent umgesetzt, warum werde ich
00:28:11: dann ausgenutzt? Wir haben diese Vorschläge gemacht und die Politik hat sie für richtig
00:28:15: befunden. Wir haben auch auf Gefahren hingewiesen, haben eben gesagt, mit Geld alleine ist es nicht
00:28:20: getan, wir brauchen Strukturreform, auch das steht in dem kurzen Papier drin. Ausgenutzt fühle ich
00:28:26: mich in keiner Weise. Aber das haben die ja nicht gemacht, die Fachhandler. Also ich weiß gar nicht,
00:28:31: was machen Sie dann, wenn Sie mitkriegen, warte mal gerade, die nehmen zwar unser Papier, aber Sie
00:28:36: setzen bestimmte Punkte nicht um, etwa auch den Aspekt der Zusätzlichkeit, den dann die Grünen
00:28:43: erst reinverhandeln, da hätten ja Ihre Genossen von der SPD auch schon mal drauf achten können,
00:28:48: haben die aber offenkundig nicht getan, über Tage hinweg nicht, wo man das auch überall und
00:28:53: da und dort nachlesen konnte, dass das aber der wichtige Aspekt wäre und Sie es sowieso auch
00:28:58: genauso aufgeschrieben hatten. Ich bei der ersten Verlautbarung, da wurde es ja noch nicht
00:29:04: im Detail ausgeführt, wie Grundgesetzänderungen jetzt aussehen soll, als das dann klar wurde,
00:29:09: wie der erste Entwurf aussieht, als dieses Sondierungspapier dann ja auch kam, wo dann die
00:29:14: ganzen Dinge wie Mütterrente und Pipapo drin standen, da wurden wir natürlich auch hellhörig
00:29:19: und alle vier haben in allen Interviews, die wir da gegeben haben, auch immer gesagt,
00:29:24: Zusätzlichkeit ist wichtig, haben wir gesagt in unserem Papier und darauf legen wir auch
00:29:31: allergrößten Wert und so ist es dann ja auch gekommen. Jetzt durch die finale Einigung und
00:29:38: da haben die Grünen aus meiner Sicht eine sehr, sehr gute Rolle beigespielt, ist eben im
00:29:42: Infrastrukturbereich diese Zusätzlichkeit ja eben auch wirklich hergestellt worden. Im
00:29:46: Verteidigungsbereich, also mal jetzt sagen können, warum ab 1 Prozent hätte man da nicht auch ab
00:29:51: 2 Prozent oder so machen können, die Kreditfinanzierung hätte man machen können. Die Grünen hatten ja
00:29:55: gesagt, anderthalb Prozent, das wäre auch gegangen. Hätte man auch, dann wären sozusagen jetzt die
00:30:01: Haushaltsprobleme noch viel größer, also dann wäre es jetzt nicht nur so, dass die
00:30:05: ganzen Versprechungen nicht bezahlbar wären, dann würde jetzt noch ein richtig großes Loch im
00:30:10: Haushalt klaffen, dass man irgendwie zukriegen müsste. Diese Mühnen haben, muss man sagen,
00:30:14: die Grünen der Koalition erspart. Das würde ich sagen, ist jetzt wirklich ein pragmatischer
00:30:22: Umgang damit gewesen, aber insgesamt würde ich sagen, war ja auch nicht realistisch, dass man
00:30:27: jetzt sofort Lösungen für diese Strukturreformen macht, weil es ging ja jetzt erst mal im ersten
00:30:32: Schritt nur darum, die Grundgesetzänderungen noch durchzukriegen mit dem alten Bundestag
00:30:36: unter extremstem Zeitdruck. Und die Fragen, wie jetzt eben Strukturreformen umgesetzt werden,
00:30:43: wie man dafür sorgt, dass dieses Geld schnell auf die Straße kommt, wie man dafür sorgt,
00:30:47: dass es auch genug Leute gibt auf dem Arbeitsmarkt, die dann auch tatsächlich die Infrastruktur
00:30:52: reparieren oder sich der Bundeswehr anschließen, also dass wir da ganz dringend die Reformen,
00:30:57: die wir ohnehin schon gebraucht haben, jetzt nochmal dringender brauchen, mehr denn je. Das
00:31:02: sind genau die Themen, die wichtig sind für die Koalition, die möchte ich im Koalitionsvertrag
00:31:07: wiederfinden. Und da werde ich jetzt auch in den kommenden Monaten meine Stimme immer wieder
00:31:11: erheben, dass es in diese Richtung geht, weil ich sehe das jetzt wirklich als das Projekt dieser
00:31:17: Dekade an. Also dieses Infrastruktur-Sondervermögen ist jetzt eine enorme Chance, dass in zehn
00:31:23: Jahren wir wirklich zurückschauen und sagen, okay, das war gut, das war richtig und wir haben
00:31:27: hier richtig einen Effekt erzielt und sehen eben auch, dass die Infrastruktur jetzt wirklich in
00:31:34: einem viel besseren Zustand ist als früher und haben Wirtschaftswachstum dadurch bekommen.
00:31:38: Da möchte ich hin. Und ich glaube, da möchte die Politik im Grunde auch hin. Man möchte ja am
00:31:42: Ende solche Projekte auch zum Erfolg führen. Und um das zu schaffen, muss man eben bestimmte
00:31:47: Dinge tun, bestimmte Reformen tun. Und ich glaube nicht nur ich, sondern auch die anderen drei
00:31:51: aus dem Team und viele andere Ökonomen werden ihre Stimme erheben und werden jetzt eben auch immer
00:31:55: wieder sagen, dass jetzt Reformen notwendig sind, weil ansonsten dieses viele Geld am Ende verpufft,
00:32:01: bloß ihr die Preise geht, zur Inflation führt, aber nicht zu mehr Wirtschaftswachstum. Und das
00:32:06: kann ja keiner wollen und ich glaube, das will auch die sich bildende Koalition nicht. Was ich
00:32:10: noch sagen möchte, also diese Todenlage einiger der Kritiker, also die jetzt irgendwie sagen,
00:32:16: ach jetzt ist Geld da, jetzt legt die Politik ihre Hände den Schoß und macht gar nichts. Und wird
00:32:21: jetzt überhaupt keine Reformen mehr machen. Das ist aus meiner Sicht so ein Ammenmärchen. Und
00:32:26: dafür gibt es aus meiner Sicht auch überhaupt keine Evidenz, dass das so ist. Ich glaube Reform
00:32:31: gelingt im Gegenteil eher besser, wenn man nicht sozusagen alle Probleme auf einmal hat und dann
00:32:38: auch nur gar kein Geld, sondern ich glaube diese Kombination, dass das Geld jetzt da ist und dass
00:32:43: man jetzt wirklich ins Handeln kommen muss, damit dieses Geld auch gut auf die Straße kommt, kann
00:32:47: auch durchaus beform einfach auslösen. Und ich werde mich jedenfalls dafür einsetzen, dass es in
00:32:52: diese Richtung geht. Jetzt haben Sie gesagt, dass die Regelung zur Erhöhung der Verteidigung
00:32:58: Ausgaben sogar eine Art von Spielraum schafft im Haushalt, weil man eben weniger Geld, was regulär
00:33:05: eingeplant war, ausgeben muss für Verteidigung. Da ist jetzt ein bisschen was an guter Lücke
00:33:11: entstanden in Ihrer Deutung. Frau Grimm, ich komme auf Sie zurück. Die sogenannte Wirtschaftsweise
00:33:16: hat eine Stellungnahme verfasst zu den drei Grundgesetzänderungen, die es ja gab. Also es wurde
00:33:22: ja beschlossen, haben wir gesagt.
00:33:23: dass alle Verteidigungsausgaben, die mehr als ein Prozent des Bruttoinlandproduktes
00:33:28: betragen, von der Schuldenbremse auszunehmen sind. Außerdem die Schaffung des schon vierfach
00:33:33: angesprochenen Sondervermögensinfrastrukturen, Höhe von 500 Milliarden und als Drittes,
00:33:37: den Ländern die Möglichkeit einer strukturellen Verschuldung in Höhe von 0,35 Prozent des Bruttoinlandproduktes
00:33:44: zu geben, also analog zu dem, was bislang für den Bund schon galt. Und zu dem ersten Punkt,
00:33:49: zu den Verteidigungsausgaben, hat Frau Grimm aufgeschrieben, Zitat, um Fehlanreize zu vermeiden,
00:33:56: sollte die Ausnahme der Verteidigungsausgaben von der Schuldenbremse gedeckelt werden und
00:34:01: über die Zeit abschmelzen. Alternativ könnte ein Sondervermögenverteidigung zur Zielerrechnung
00:34:07: geeignet sein, Zitat Ende. Das war doch auch ihre Idee. Sie wollten ja eher dieses Sondervermögen
00:34:14: auch für die Verteidigung. Und ist das, dass es nach oben offen alles möglich ist, was man für
00:34:21: Verteidigung ausgeben will, kann man auch ausgeben. Ist es nicht wie so eine Gelddruckmaschine,
00:34:27: Freibier für alle, Nachmedizinflut und verlangte im Sinne einer Art von Haushaltsdisziplin auch so
00:34:36: was wie eine Deckelung? Also wir haben diesen Punkt tatsächlich in unserer Runde diskutiert. Das war
00:34:44: einer der Punkte, über die wir durchaus diskutiert haben. Da gab es einige, die sich von vornherein
00:34:48: eigentlich für diese Lösung, also der ungedeckelten Verteidigungsausgaben stark gemacht haben und
00:34:55: vor allem mit dem Argument, das ist das stärkstmögliche Signal auch an Vladimir Putin. Also
00:35:00: dass Deutschland es jetzt wirklich ernst meint, das ist ja wirklich das Signal, dass davon jetzt
00:35:04: ausgeht von dieser Redu, wie sie jetzt ja auch im Final getroffen wurde. Und das würde ich mal sagen,
00:35:09: ist gut. Es ist übrigens auch ein Signal an die Verteidigungsindustrie, weil für die ist ja auch
00:35:16: die Frage, wie bauen wir Kapazitäten auf, wie viel Werke versuchen wir zu gründen. Und da ist
00:35:22: natürlich jetzt so eine Ansage, dass wir im Prinzip jetzt unbegrenzt für Verteidigung Geld
00:35:26: ausgeben können, der stärkstmögliche Anreiz auch wirklich jetzt quasi diese Kapazitäten aufzubauen.
00:35:31: Also diese Lösung hat schon Vorteile. Jetzt will ich sagen. Aber das haben sehr einschränkende in
00:35:36: ihrem Papier auch gesagt, die kann auch ausgenutzt werden auch von der Rüstungsindustrie und deshalb
00:35:40: schreiben sie da, bei einem aufgestockten Sondervermögenbundeswehr ist intensiv auf die
00:35:45: Governance-Struktur zu achten. Es soll kein Rein-Metall-Paket mit Fokus auf alter Technologie
00:35:51: werden. Konkret, keine Panzer für Stückpreis 25 Millionen kaufen, die mittlerweile von einer
00:35:58: 5000 Euro Drohne außer Gefecht gesetzt werden können. Also da sehen sie ja auch immer die
00:36:03: Missbrauchsanfälligkeits-Säucherregelungen. Ja natürlich. Also jede Regel hat auch immer Probleme
00:36:10: und schafft neue Probleme, schafft Missbrauchsanfälligkeiten. Aber das heißt ja nicht, dass man
00:36:16: deswegen gar nichts mehr machen darf und einfach beim alten bleibt, weil das hat auch Probleme,
00:36:20: wenn man beim alten bleibt, weil dann tut man einfach systematisch zu wenig und das geht in
00:36:25: der jetzigen Weltlage halt gerade mal gar nicht mehr. Von daher ist aber dieser Aspekt und dann
00:36:31: ganz kurz zu ergänzen, den halte ich schon für sehr wichtig, dass man eben jetzt diese
00:36:35: ungedeckelten Verteidigungsausgaben auch nutzt, um technologiepolitische, auch
00:36:41: Forschungspolitische Impulse zu setzen. Also das man jetzt eben sagt, wir haben über Jahrzehnte viel
00:36:45: zu wenig getan und haben gar nichts bestellt im Militärbereich. Jetzt müssen wir nicht quasi
00:36:50: die Lücke auffüllen mit alten Zeug, sondern jetzt haben wir eigentlich sogar die Chance,
00:36:54: wenn wir jetzt wieder aufholen, gleich mit der neuesten Technologie aufzuholen und im Militär-Eta
00:37:00: auch zu versuchen, ein bisschen Forschung und Entwicklung zu betreiben, zum Beispiel Startups
00:37:04: zu fördern, die ganz neue Lösungen dabei sind zu entwickeln, sei es jetzt auch für Cyber-Sicherheit
00:37:10: und solche Dinge und dadurch auch Technologie zu entwickeln, die es vielleicht noch nirgends gibt,
00:37:15: nur mal eine Zahl zu nennen. Der deutsche Verteidigungsaushalt ist jetzt auch nicht ganz klein,
00:37:21: so regulär ist das nicht auch so gut, 50 Milliarden, wenn ich das alte, sondern vermögen
00:37:25: mal rauslasse, hat einen F und E, also Forschungs- und Entwicklungsanteil von, ich glaube, 2 Prozent,
00:37:31: also fast nichts, der amerikanische Verteidigungsaushalt, der viel, viel größer ist, hat einen
00:37:37: Forschungs- und Entwicklungsanteil von über 15 Prozent, also 15 Prozent von einem riesigen Etat
00:37:44: alleine für Technologieentwicklung und Forschung. Da kann man sich vorstellen, wo werden die Innovationen,
00:37:50: wo werden neue Verteidigungstechnik entwickelt, ja, in den USA. Und das heißt, jetzt haben wir die
00:37:56: Chance da auch ein bisschen aufzuholen, weil diese Militärausgaben haben dann auch im
00:38:01: zivilen Bereich viel stärkere Wachstumseffekte, weil viele militärische Innovationen, die
00:38:06: ursprünglich mal fürs Militär gedacht waren, sind ja später in den zivilen Bereich rübergekommen.
00:38:10: Das ganze Internet war ganz am Anfang mal eine militärische Veranstaltung, bevor es dann irgendwann
00:38:15: in den zivilen Bereich rübergeschwappt ist. Also da haben wir aus meiner Sicht große Chancen,
00:38:19: deswegen haben wir das auch geschrieben, dass man jetzt nicht einfach nur von der Stange
00:38:23: irgendwie altes Zeug kaufen sollte. Aber nochmal, Sie haben es ja anders gesehen, Sie wollten keine
00:38:29: ungedeckelte Lösung. Und genau, wir haben es gerade nochmal mit aufgeschnappt, denkt auch manche
00:38:34: eine unserer Hörerinnen, unserer Hörer sofort mit. Es gab ja schon mal einen Sondervermögen,
00:38:40: 100 Milliarden, das kam einem damals echt viel vor und da sollte ja auch wie so eine Hausnummer
00:38:45: ins Schaufenzer gestellt werden, zack, das ist uns wichtig, wir begreifen, dass wir jetzt in einer
00:38:51: Zeitenwende leben und dass die Bundeswehr darauf genau gar nicht vorbereitet ist, sondern komplett
00:38:56: blank zieht. So man denkt jetzt, riesige gigantische Summen und dann setzt man noch eins drauf und sagt
00:39:05: bitte aber nach oben offen. Ehrlich gesagt war es so, dass wir diese Sondervermögensidee
00:39:12: unter anderem auch deshalb bevorzugt haben, weil wir sie für die einzig kurzfristig pragmatisch
00:39:17: Umsetzbarlöse gehalten haben. Also wir konnten uns an diesem besagten Donnerstagabend jetzt nicht
00:39:21: vorstellen, dass man mal ebenso im Eiltempo wirklich den Artikel 115 des Grundgesetzes, also
00:39:28: die Schuldenbremse, jetzt noch reformieren kann. Haben wir auch, das ist glaube ich Punkt 3 in
00:39:32: unserem Papier, da steht sogar explizit drin, eine wirklich grundständige Reform der Schuldenbremse
00:39:37: halten wir für illusorisch, haben wir da beschrieben. Genau, illusorisch steht. Deswegen haben wir
00:39:43: gesagt, dann jetzt kurzfristig Sondervermögen. Hätten wir so gesehen gewusst, dass die Politik
00:39:50: absolut bereit ist, wirklich jetzt noch den Artikel 115 anzufassen und die Schuldenbremse
00:39:55: zumindest partiell zu reformieren, wäre diese Optionen mit den ungedeckerten, also der Freistellung
00:40:02: der Verteidigungsausgaben auf jeden Fall erwegenswert gewesen. Und ich weiß, einige in unserer Runde
00:40:08: haben das auch absolut bevorzugt. Sie sind Professor für Volkswirtschaftslehre, Sie sind
00:40:14: wahrscheinlich end geübt, damit mit Summen umzugehen, mit Zahlen zu rechnen, auch mit gigantischen
00:40:21: Summen. Im Moment sagt man ja, okay, diese 500 Milliarden Sondervermögen, Infrastruktur, dann
00:40:28: die Ausgaben für die Verteidigung, das könnte in Richtung eine Billion Euro gehen, 1.000
00:40:35: Milliarden Euro. Haben Sie da eigentlich noch so etwas wie eine Vergleichsvorstellung, was das sein
00:40:41: kann, was man sich dafür alles kaufen könnte zum Beispiel? Also für eine Billion, was man das
00:40:49: jetzt in Äpfeln und Bürnen umzurechnen, das ist glaube ich nicht mehr möglich. Vielleicht sollte
00:40:54: man so sagen, also das deutsche Brutto-Inlandsprodukt eines Jahres, also was in einem Jahr in Deutschland
00:41:01: insgesamt erwirtschaftet wird an Gütern und Dienstleistungen, das sind so gut vier Billionen.
00:41:06: Also so gesehen reden wir jetzt über ein Viertel unseres Jahres Einkommens, würde ich mal sagen,
00:41:13: und auch nicht sofort, sondern über einen Zeitraum von zehn Jahren. Das heißt, es ist schon eine
00:41:18: große Summe, aber jetzt auch nicht eine völliginosorische Summe. Also wenn man es jetzt mal so im
00:41:23: Privatbereich überträgt, überlegt sich, da ist einer, der will ein Haus kaufen, da reden wir ja ganz
00:41:29: oft mal über Summen, die sind dann ungefähr das 30-Fache eines Jahres Einkommens und davon
00:41:35: sind wir jetzt hier schon noch eine ganze Ecke entfernt. Also wir reden quasi von einem Gesamtpaket,
00:41:39: was dann ein Viertel eines Jahres Einkommens ausmacht, über zehn Jahre. Also es ist riesig,
00:41:47: aber es ist jetzt nicht völlig überdimensioniert und wenn wir am Ende sozusagen wirklich mehr
00:41:54: militärische Sicherheit dafür bekommen und eine bessere Infrastruktur als ein besser funktionierendes
00:41:58: Land, würde ich sagen, ist es das dann auch wert. Die Süddeutsche hat jetzt ein Artikel geschrieben,
00:42:03: wo sie genau solche Vergleichsrechnungen aufgemacht hat. Wir hatten es nämlich gestern in der
00:42:08: Redaktion überlegt und er sagte, eine von uns ihre vierjährige Tochter rechnet alles immer um in,
00:42:12: wie viel Eis sind das? Also damit kann sie was anfangen. Das ist so ihre Währung. So die Süddeutsche
00:42:20: hat sich aufgemacht und hat gesagt, was könnte man alles für 500 Milliarden Euro kaufen oder
00:42:26: machen und hat herausgefunden, zum Beispiel, man könnte sehr viele Grundschullehrer*innen davon
00:42:31: bezahlen, dass Sondervermögen diese 500 Milliarden, also würde für Achtung, 8,87 Millionen
00:42:38: jährliches Geld erreichen und da in Deutschland 223.658 Menschen, da merkt man die fleißige
00:42:47: Recherche in diesem Beruf arbeiten, wären ihre Gehälter für fast 40 Jahre abgedeckt,
00:42:53: für 500 Milliarden Euro. Noch ein Beispiel mochte ich auch. Außerdem könnte man sich 2500
00:42:59: Eurling-Horlons kaufen, der Mittelsturmer von Manchester City, der mit einem Marktwert von
00:43:05: 200 Millionen Euro als der aktuell wertvollste Fußballer der Welt ging. Man könnte also haben
00:43:11: die dann weitergerechnet, irgendwann waren sie wahrscheinlich im Großpaß, 227 Fußballmannschaften
00:43:17: aufstellen, die ausschließlich aus Horlons bestehen und man könnte auch 55.555 Windkraftanlagen
00:43:26: kaufen, die pro Stück gut 9 Millionen Euro kosten. Kurzum, Wahnsinn, diese 500 Milliarden Euro,
00:43:33: das ist schon ein richtiges Ding und man fragt sich, erklären Sie uns, wo kommt das viele
00:43:38: Geld jetzt her? Also vielleicht eine Sache doch vorweg sagen darf, also sonst ist halt diese Art
00:43:45: Umrechnung in Eis oder Horlons, die habe ich so noch nicht gemacht. Für mich irgendwie ist das so
00:43:50: professionelle Deformation, dass ich jetzt irgendwie nicht mehr so ein Problem damit habe,
00:43:55: in Milliarden Dimensionen zu denken. Ja, ganz offensichtlich. Was mir wirklich zu Denken gegeben
00:43:59: hat, ja, also mein älterer Sohn ist 6 und der kriege ich auch mit, wenn ich manchmal so
00:44:04: telefoniere, ja, und der stellt mir jetzt auch so Fragen, also der redet jetzt auch über Billionen
00:44:09: und Billarden und stellt mir jetzt auch so Fragen, ob eine Billionen mehr ist als eine Milliarde. Also
00:44:15: da habe ich mir schon Gedanken, was ich da aus meinem Sohn gemacht habe. Als Fünffjähriger würde ich sagen,
00:44:19: muss man sich mit solchen Dacken eigentlich noch nicht beschäftigen. Also das war nur vorweg.
00:44:23: Aber ich verstehe es total der Südekomm. Ich brauche das auch immer, dass ich mir klar mache,
00:44:28: dass eine Milliarde tausend Millionen sind und da kriege ich irgendwie dann einen Kopf dran und
00:44:36: dann denke, boah, und wenn ich mir jetzt aber tausend Milliarden vorstelle, da bin ich wie
00:44:42: ihr Sohn und denke, Wahnsinn, das ist doch einfach unglaublich. Aber ja, gut, so ist es nun mal,
00:44:48: offensichtlich ist es notwendig, sagen Sie. Wo kommt das viele Geld jetzt her? Aus der Wirtschaftslastung.
00:44:54: Also ich habe ja den Vergleich schon angestellt, den halte ich jetzt auch für den Sinnvollsten,
00:44:58: zu sagen, wir reden hier über etwa ein Viertel einer jährlichen Wirtschaftsleistung und dann
00:45:04: werden wir jetzt eben sagen, diese eine Billion ist ja, wie gesagt, eher für zehn Jahre ausgerichtet.
00:45:10: Reden wir über eine Verschuldung pro Jahr, die sich irgendwo, während wir sehen, so bei 3,5,
00:45:18: 3, vielleicht 3,5, vielleicht 4 Prozent einpendeln könnte, also dass man sagt, wir nehmen Schulden
00:45:25: in der Größenordnung auf. Von 4 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung zum Beispiel,
00:45:31: also das ist schon hochgegriffen, das ist jetzt nicht völlig drüber. Also zumal es ja eben hier
00:45:38: eben um Projekte geht, die eben auch lange ausstrahlen und die auch ganz lange einen Wert
00:45:43: darstellen werden. Also ich würde sagen, das ist kein wirkliches ökonomisches Problem. Es werden
00:45:49: jetzt eben neue Schulden auf den Markt kommen, also Staatsanleihen. Technisch passiert das durch
00:45:56: Emissionen, durch Ausgaben dieser Staatsanleihen, das macht die Deutsche Finanzaigentur, die sitzt
00:46:01: in Frankfurt, die macht das Schuldenmanagement für den Bund, die wird jetzt gut zu tun haben,
00:46:06: also die wird quasi am Finanzmarkt Investoren finden müssen, die bereit sind, diese deutsche
00:46:11: Staatsanleihen zu kaufen und wird eben aushandeln müssen für wie viel Zinsen. Aber nach allem, was
00:46:19: man so weiß über die Funktionsweise der Finanzmärkte, nach allem, was auch die Rating-Argenturen gesagt
00:46:24: haben, die dieses Programm eingeschätzt haben, wird die Finanzagentur keine Probleme haben,
00:46:28: diese Staatsanleihen am Markt zu platzieren. Die Marktsituation ist eigentlich so, dass die ganze
00:46:34: Welt sich, ich sage die Finger leckt nach deutschen Staatsanleihen, weil wir sind so gesehen
00:46:39: einer der wenigen sicheren Häfen, die es auf der Welt gibt. Wir haben diesen AAA-Status, also
00:46:46: eine deutsche Staatsanleih ist sozusagen das Non-Plus Ultra, also den internationalen Finanzmärkten.
00:46:51: Und darüber werden wir auch keine Probleme haben, tatsächlich jemanden, Leute, Investoren zu finden,
00:46:57: die bereit sind, den deutschen Staat Geld zu leihen. Versaut sich der Staat aber ein bisschen jetzt
00:47:03: im Moment selbst die Preise, wenn er plötzlich so viel leihen will? Die Zinsen sind ein Stück weit
00:47:11: angestiegen. Das war interessant zu sehen, also die Ankündigung von dem Paket von März und
00:47:16: Klingbeil und den anderen war ja am 4. März um 18.30 Uhr. Und man sah wirklich innerhalb einer halben
00:47:23: Stunde ist sozusagen der Zins für die zehnjährige deutsche Staatsanleihen um 40 Basispunkte nach
00:47:31: oben gegangen von ungefähr 2,4 auf 2,8 Prozent. Das heißt, das haben dann so gesehen die Finanzmärkte
00:47:38: sofort verarbeitet, also dass jetzt quasi mehr Staatsanleihen in Umlauf kommen und dass man
00:47:43: dann entsprechend auch einen besseren Preis dafür verlangen kann. Aber wenn man genauer schaut,
00:47:48: ist noch viel mehr passiert. Nach dieser Ankündigung, der Euro hat aufgewertet, der DAX ist nach oben
00:47:54: gegangen, die Rating-Agenturen haben sich sehr schnell gemeldet, sodass eigentlich dann die
00:47:58: Interpretation war, dass die Zinsen deshalb gestiegen sind, weil die Märkte tatsächlich erwarten,
00:48:04: dass dieses Paket spürbare Wachstumseffekte haben wird und höheres Wachstum ist eben auch
00:48:11: tendenziell mit höheren Zinsen verbunden, weil man bei höheren Wachstum immer diese Gefahr hat,
00:48:18: dass es Inflation geben könnte und von daher dann auch die Zentralbanken gegebenenfalls die
00:48:24: Leitzinsen erhöhen müssen und dass alles haben die Finanzmärkte innerhalb von einer halben Stunde
00:48:29: quasi anticipiert und durchgerechnet und dann kamen eben entsprechend diese höheren Zinsen dabei
00:48:35: raus. Aber nochmal, ich glaube nicht, dass das ein schlechtes Zeichen ist, sondern man sollte es
00:48:39: als positives Zeichen sehen, dass eigentlich der Rest der Welt die Finanzmärkte eigentlich
00:48:42: Applaus gespendet haben, dass Deutschland eben jetzt bereit war, so ein großes Paket auf den Weg
00:48:48: zu bringen. Aber die Zinsen müssen ja irgendwann auch zurückgezahlt werden oder nicht? Natürlich,
00:48:55: das müssen sie, aber das passiert ja eben in aller Regel aus Wirtschaftswachstum. Und wenn man
00:49:02: jetzt eben mal guckt, wie sind denn so die ersten Einschätzungen gewesen? Es ging ja auch sehr
00:49:05: schnell, nur wenige Tage gedauert, dann hat Goldman Sachs die erste Berechnung gehabt,
00:49:10: Morgen Stanley, dann kam das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung und es gab dann ganz viele
00:49:15: Studien und die haben dann eben den Wachstumseffekt, gerade auch dieses Infrastruktur-Teils beziffert
00:49:21: auch so auf 0,8, 0,9 Prozentpunkte Bruttoinlandsprodukt. Und jetzt als Ökonom ist es vielleicht
00:49:28: etwas technisch, aber wenn die Zinsen 40 Basispunkte steigen, das Wachstum aber am 80 oder 90
00:49:34: Basispunkte steigt, dann haben wir gar kein Problem, was Schuldentragfähigkeit angeht. Dann können
00:49:40: wir so gesehen diese Zinslasten, die zusätzlichen Zinsen, bezahlen aus den zusätzlichen Steuereinnahmen,
00:49:48: die eben resultieren aus diesem Mehr an Wirtschaftswachstum. Und klar, es ist nicht
00:49:53: ausgemacht, dass es so kommen muss, also das hängt eben jetzt auch unter anderem an den Strukturreformen,
00:49:58: über die wir schon gesprochen haben. Also wie viel Wachstum im Ende jetzt wirklich aus dem
00:50:02: Geld wird, hängt eben auch wirklich daran, ja wie schnell sind die Prozesse, wie viele Leute kommen
00:50:07: auf den Arbeitsmarkt und so weiter. Aber wenn es gut läuft und mit so läuft, wie die Finanzmärkte
00:50:12: es einschätzen, dann wird Deutschland trotz dieser riesigen Schulden kein Schuldentragfähigkeitsproblem
00:50:17: bekommen. Wir stellen ja in der Folge die Frage, löst Geld Deutschlands Probleme und merken immer
00:50:23: mehr, dass Geld allein wird es jedenfalls nicht sein. Es muss eine kluge Politik sein jetzt,
00:50:28: die mit diesem Geld das zusätzlich, haben wir auch rausgearbeitet, zur Verfügung stehen wird,
00:50:35: die mit diesem Geld was Gutes macht. Wie groß ist ihr Vertrauen in Union und SPD, dass sie das schaffen?
00:50:41: Also es ist eine mega Herausforderung. Es ist sozusagen das große Projekt der kommenden Dekade
00:50:51: und das ist eine herkules Aufgabe, gar keine Frage. Aber ich habe schon Vertrauen, dass die was Gutes
00:50:59: auf die Beine kriegen. Denn nochmal, sie haben das übereigendste Interesse daran. Also wenn dieses
00:51:05: ganze Paket scheitert und am Ende wirklich nichts herauskommen sollte, dann ist nicht nur die nächste
00:51:10: Regierung gescheitert, dann hat Deutschland ein ganz grundsätzliches Problem. Also dann will ich auch
00:51:15: nicht wissen, wie die nächste Bundestagswahl ausgeht. Also dann haben wir glaube ich ganz andere
00:51:19: Probleme und das wissen aber auch glaube ich alle Beteiligten. Wurde auch oft gesagt, sie sind
00:51:23: zum Erfolg verdammt und sie haben es jetzt eben geschafft, dass Geld alleine jetzt nicht mehr
00:51:28: das Problem ist. Also das Geld ist da und alle Beteiligten wissen aber aus meiner Sicht, dass es
00:51:33: jetzt ihre Aufgabe ist, dieses Geld eben jetzt auch schnell und zielgenau und wachstumsfördernd
00:51:38: auf die Straße zu kriegen. Und glaube das was sie tun können und was in ihrer Macht steht,
00:51:42: werden sie auch versuchen. Allerdings hat man auf dem Weg dahin das Gefühl gehabt,
00:51:47: da sind auch Leute jetzt im Werk, die ich weiß gar nicht, bei Weise ungewöhnlich oder aber
00:51:55: ungeschickt verhandeln. Das liegt sicherlich im Auge des Betrachters. Wir haben angedeutet schon,
00:52:01: dass überhaupt die Formulierung der Zusätzlichkeit wieder reinkam. Sie stand bei ihnen im Papier. Sie
00:52:06: war aber nicht zunächst in dem Gesetzentwurf drin und das wäre erheblich gewesen. So,
00:52:12: das ist da reinkam, das haben die Grünen reinverhandelt. Katharina Dröge, die Fraktionsfraktion
00:52:17: Vorsitzende der Grünen, hatte vorher schon gesagt, komisch, wir werden gar nicht angerufen. Man ist
00:52:24: auch auf uns angewiesen, aber irgendwie nimmt man so recht keinen Kontakt auf. Von Friedrich
00:52:28: Merz habe ich groß nix gehört. Dann erfährt man das Friedrich Merz, Britta Hasselmann,
00:52:32: der anderen Fraktionsvorsitzende auf die Mailbox spricht, was man jetzt auch nicht verstehen
00:52:37: würde als wirklich stilvolles, sauberes Vorgehen, bei dem man auch sowas wie eine Antwort bekäme.
00:52:44: Katharina Dröge ist dann im Bundestag, das fand ich schon auch ungewöhnliche,
00:52:50: bemerkenswerte Räder, um es ganz nüchtern zu sagen. Sie ist hingegangen und hat gesagt,
00:52:56: dass sie Friedrich Merz, mit dem sie ja da noch stundumstund verhandelte und da waren
00:53:00: die noch nicht fertig, dass sie ihm überhaupt nicht traut. Das können wir uns immer anhören.
00:53:05: Ich habe darauf gewettet, dass sie hier vor dem Deutschen Bundestag stehen würden und sagen
00:53:10: würden, ich habe neue Erkenntnisse. Die Weltlage ist eine andere. Auf einmal sehe ich ein, dass
00:53:16: die Schuldenbremse reformiert werden muss, zufällig zu dem Zeitpunkt, wo ich selbst Bundeskanzler
00:53:22: der Bundesrepublik Deutschland werden möchte. Darauf habe ich gewettet. Es ist nur ein kleines
00:53:27: bisschen schneller gekommen, als ich in meiner Wette gedacht hätte. Sie haben sich hierhin gestellt
00:53:33: gerade und haben gesagt, für das Wirtschaftswachstum in diesem Land wäre es notwendig, kreditfinanzierte
00:53:41: Investitionen zu tätigen. Ich sage Ihnen ja, für das Wirtschaftswachstum in diesem Land war es
00:53:45: auch in den letzten Jahren notwendig, kreditfinanzierte Investitionen zu tätigen, wenn Sie sich selber
00:53:51: das glauben, was Sie hier gesagt haben, warum haben Sie nicht früher gehandelt? Es sind Unternehmen,
00:53:57: deren Gewinne darunter gelitten haben, dass sie sich geweigert haben zu handeln. Es sind Menschen
00:54:02: in diesem Land, deren Arbeitsplätze auf dem Spiel standen, weil sie sich geweigert haben,
00:54:06: hier zu handeln. Das alles nur aus Parteitaktik, Herr Merz. Es war ein Plan, der vorbereitet war. Es
00:54:14: war ein Drehbuch, das geschrieben war. Wir müssen erkennen, und die Bürgerinnen und Bürger müssen
00:54:20: erkennen, dass das Ihr Politikprinzip ist. Nicht immer ehrlich zu sein, nicht immer zu sagen,
00:54:27: was Sie planen. Und wenn Sie sich jetzt fragen, warum die Gespräche zwischen uns und Ihnen gerade
00:54:32: so laufen, wie Sie laufen, dann sagen wir Ihnen, weil wir uns nicht auf Ihr Wort verlassen. Das war
00:54:38: schon enorm, fand ich, eine ganz ungewöhnliche Rede, an die man sich erinnern wird. Was haben Sie
00:54:44: gedacht? Ja, ich meine, im Grunde hatte Katharina Dröbel vollkommen recht. Meine Interpretation ist
00:54:52: eben wirklich, dass Friedrich Merz sich einfach verzockt, verkalkuliert hat. Habe ich da vorhin
00:54:56: schon gesagt, ich glaube, er hat eben gedacht, die zwei Drittel mehr hat, das wird schon reichen. Und
00:55:00: dann können wir das ganz gemütlich und bequem im neuen Bundestag im Laufe der Legislaturperiode
00:55:05: machen. Dann können wir vielleicht auch erst Reformen machen und anschließen die Schuldenbremse. Und
00:55:09: das ist eben alles anders gekommen. Im Nachhinein würde ich eben auch sagen, die Weltlage,
00:55:16: wenn man es jetzt praktisch nicht politisch, sondern einfach nur nüchtern ökonomisch betrachtet,
00:55:20: hätte man all das viel früher machen müssen. Und es war dann tatsächlich Wahltaktik, warum
00:55:25: Merz das eben damals ausgeschlagen hat, etwa im November, im Dezember, wo die Hand von SPD und
00:55:30: Uriana immer ausgestreckt war. Hätte er es gemacht, glaube ich sehr, ist die FDP heute auch noch im
00:55:36: Bundestag. Die ist so gesehen ein Kollateralschaden auch von all dem. Aber ich glaube, am Ende sind
00:55:44: das natürlich Dinge, die geraten dann irgendwann auch in Vergessenheit. Also da wird man wahrscheinlich
00:55:47: in ein paar Monaten nicht mehr groß zu überreden über diese politischen Umstände. Was da bleibt,
00:55:51: ist die Grundgesetzänderung, sind die großen Pakete. Und eben die Frage, schafft es die Politik
00:55:58: und schafft es jetzt Friedrich Merz auch, dass dieses Geld eben wirklich zielgenauzügig auf die
00:56:05: Straße kommt und Wachstum erzeugt. Und was sich auch immer noch viele fragen, möglicherweise auch
00:56:10: ihre Studierenden an der Uni Düsseldorf, wer kommt da irgendwann für auf? Das war ja, weil sie die
00:56:17: FDP angesprochen haben, eines der immer in deren Mund geführten Argumente, dass sie gesagt haben,
00:56:23: das kann man aus Fragen der Generationsgerechtigkeit auf keinen Fall machen. Sie in der Südekommer
00:56:30: haben ja schon lange für eine Reform der Schuldenbremse plädiert, auch für mehr kreditfinanzierte
00:56:36: Investitionen. Wie erklären Sie den jungen Menschen denn dann, dass die im Zweifel die vielen
00:56:42: Milliarden auch mal zurückzahlen müssen oder sind die sowieso tausendmal schlauer als ich und stellen
00:56:48: die Frage so gar nicht? Diese Diskussion habe ich natürlich hier ziemlich oft. An der Uni
00:56:53: ich meine die Studierenden, die kriegen das ja auch alles mit, die ganzen öffentlichen Diskussionen. Aber
00:56:59: ich nehme es jetzt eigentlich nicht so wahr, dass die junge Generationen in ihrer Breite jetzt irgendwie
00:57:05: die größten Fans der Schuldenbremse irgendwie sind. Müsste es ja eigentlich sein, also wenn die
00:57:09: Schuldenbremse die junge Generationen schützt, müsste ja gerade die junge Generationen auch dafür
00:57:13: sein, aber das ist eigentlich nicht die Wahrnehmung, die ich so habe. Und ich würde eben sagen, es kommt
00:57:19: immer darauf an, was macht man denn mit den Schulden und mit dem Geld? Also wenn jetzt irgendjemand
00:57:25: vorsteht, wir schaffen die Schuldenbremse einfach ab und das Geld, das Verjubeln war irgendwie für
00:57:30: irgendwelche Konsum, ich will jetzt nichts Spezifisches sagen, dann wäre ich auch dagegen. Ich habe nie
00:57:34: für eine Abschaffung der Schuldenbremse argumentiert, sondern ich habe immer für eine Reform der
00:57:39: Schuldenbremse geworben, um Zukunftsausgaben, so nenne ich jetzt mal allgemein, zu finanzieren,
00:57:45: die auch eine lange, ausstrahlende, auch zeitlich langausstrahlende Redite hat, weil die junge
00:57:50: Generation davon eben ja auch was hat. Ich glaube die junge Generation hat ja auch nichts davon,
00:57:56: wenn wir ihr ein schuldenfreies Land übergeben, was aber komplett zerstört ist, keine Infrastruktur
00:58:03: hat und keine Verteidigung. Ich glaube, da möchte die junge Generation auch etwas anderes.
00:58:08: Ja, aber diese junge Generation hat auch schon mitbekommen, dass es auch andere Bundesregierungen
00:58:14: gab, die echt viel Geld zur Verfügung hatten und die eben nicht bewerkstelligt haben, das Brückenstraßen,
00:58:20: um nur das Handfest zu nennen, in einem Zustand wäre, der unserer volkswirtschaftlichen Macht und
00:58:27: unserem Reichtum irgendwie angemessen wäre und der uns ausreichend diente und nicht dazu führt,
00:58:33: dass die Brücke auch locker zusammenbricht. Also ich glaube, der Verdacht, dass Politik nicht gut
00:58:39: mit Geld umgeht, der ist auch bei jungen Menschen aber durch alle Generationen hinweg groß und ich
00:58:45: glaube sogar größer geworden, meinen Sie nicht? Absolut, also wer sich mit dem Thema beschäftigt
00:58:52: und auch jetzt sieht, was ist denn so in der goldenden Dekade zwischen Finanzkrise und
00:58:58: Ausbruch der Pandemie, also so 2009 und 2019, was ist denn da passiert? Da konnte sich Deutschland ja
00:59:05: gar nicht retten vor Geld, vor Steuereinnahmen. Da haben wir Jahre gehabt, wo im Bundeshaus
00:59:10: hat ein Überschuss von 50 Milliarden plötzlich stand. Also wir haben Geld, wir haben die Schulden
00:59:16: im Gegenteil gemacht, wir haben Überschüsse erwirtschaftet und haben tatsächlich, was ganz
00:59:22: ungewöhnlich ist, den absoluten Schuldenstand sogar reduziert. Also das gibt es in der Welt
00:59:26: praktisch nie, dass so etwas mal passiert. Und natürlich hätten wir diese Zeit, das war auch die
00:59:32: Zeit der Negativzinsen, jetzt in der Rückschau werde ich auch wehbültig, wenn ich mir überlege,
00:59:37: was hätten wir in all den Jahren machen können, diese ganzen Infrastrukturinvestitionen. Ich kann
00:59:43: natürlich jetzt, das klingt jetzt ein bisschen eitel, ich habe damals schon auch dafür geworben,
00:59:47: aber die Diskussion war dann eine andere. Also viele der heutigen Kritiker auch an unserer
00:59:51: Ökonomerunde haben damals, waren damals unterwegs und haben über Jahre überhaupt erst mal bestritten,
00:59:57: dass es überhaupt ein Infrastrukturproblem gibt, dass da alles erfunden, die Infrastruktur hätte
01:00:02: gar keine Probleme und so weiter. Jetzt wissen wir doch, wir hatten auch damals schon Infrastrukturproblemen
01:00:09: und wir hätten es damals viel besser, viel billiger lösen können, haben aber stattdessen
01:00:14: natürlich, dass viele Geld die schönen Steuereinnahmen auch genutzt, um bestimmte Sozialleistungen
01:00:20: auszubauen. Ich meine, das ist ein bisschen das Problem von Deutschland, dass wir eben viele
01:00:24: Probleme gleichzeitig haben. Also wir sind eben ganz abgesehen von diesem ganzen Thema Infrastruktur
01:00:30: und friedensdividende Verteidigung, sind wir eben vor allem eben auch noch eine alterne Gesellschaft,
01:00:36: also wo dann eben das Thema Rente und das Thema Gesundheit einfach tendenziell immer wichtiger
01:00:43: wird und dafür wurde dann eben sehr sehr viel Geld ausgegeben und die Zukunftsthemen, die wurden
01:00:48: eben hinten angestellt. Aber die gehen jetzt nicht weg. Die Themenpflege, Gesundheit, auch die Frage
01:00:53: kann man Schulden so gerecht nutzen, dass davon eben auch Menschen, die in sozialer Not sind, die
01:01:00: geringe Einkommen haben und so weiter, dass die davon auch profitieren. Die Themen gehen nicht weg,
01:01:07: aber ich sage mal, wenn es jetzt gelingt, wirklich die Infrastruktur auf Vordermann zu bringen, dann
01:01:13: haben wir alle was davon und insbesondere, wenn ich jetzt zum Beispiel daran denke, dass jetzt
01:01:19: Schulen saniert werden sollen, öffentliche Gebäude saniert werden sollen, vielleicht stückbar doch
01:01:24: Krankenhäuser, dann haben ja gerade auch sozial Schwäche etwas davon. Also die sind ja angewiesen
01:01:30: auf eine funktionierende öffentliche Infrastruktur. Die Reichen können Zweifelsfall auf ihre Kinder,
01:01:35: auf Privatschulen schicken oder wenn sie ins Krankenhaus müssen irgendwo sonst wohin jetten.
01:01:40: Von daher würde ich sagen, die öffentliche Infrastruktur in Ordnung zu bringen ist auch ein
01:01:44: zutiefst soziales Projekt und wir wissen auch, dass der Verfall der öffentlichen Infrastruktur,
01:01:50: gerade auch in bestimmten Regionen, maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass Menschen sozusagen
01:01:55: sich verabschiedet haben aus der Demokratie, auch im Rechtspopulismus gegangen sind, weil sie eben
01:02:00: gesehen haben, ja für mich interessiert sich hier offensichtlich niemand mehr. Von daher ist
01:02:04: Ausbau der Infrastruktur aus meiner Sicht auch für die Demokratie ganz, ganz wichtig.
01:02:09: Konstruktiv gedacht, das versuchen wir immer am Ende unserer Erfolgen. Gibt es ein Land,
01:02:14: das von hohen Schulden profitiert hat? Wir haben über Japan nachgedacht, die eine extreme Schuldenquote
01:02:21: haben vielleicht zum Vergleich. Deutschland hat jetzt eine Schuldenquote von 62,7 Prozent. Da sind
01:02:28: wir im Euroraum ganz gut mit aufgestellt. Der Euroraum als Gesamtes hat eine Schuldenquote von 89,5 Prozent.
01:02:35: Die USA liegen bei 127 Prozent und die Japan achtungen bei 250 Prozent. Dennoch sagt man ja,
01:02:44: dass die japanische Wirtschaft stabil ist und eine der stärksten Volkswirtschaften der Welt.
01:02:52: Also ich würde jetzt nicht sagen, ein Land steht besser da, weil es so viel Schulden hat. Das würde
01:03:00: jetzt keinen Sinn machen. Aber was das Beispiel Japan zum Beispiel zeigt, ist, dass es da kein
01:03:05: Automatismus gibt. Es gab mal vor etlichen Jahren so eine These, wenn man über 90 Prozent Schuldenquote
01:03:12: kommt, dann geht alles den Bach runter und das sehen wir, dass diese These völlig erquatscht war.
01:03:17: Vielleicht mal anders gesprochen, gerade die USA, die steht ja momentan, also vielleicht jetzt gar nicht
01:03:23: ganz aktuell mit Trump, aber so jetzt die letzten paar Jahre auch unter beiden, da war ja ein echter
01:03:28: Boom in den USA. Die USA hat ja wirklich Europa und insbesondere Deutschland wirklich komplett
01:03:32: abgehängt, was das Wachstum angeht. Und das hatte natürlich auch was mit Schulden zu tun,
01:03:38: weil die USA haben eine sehr expansive Politik gefahren, hat ein Budgetdefizite teilweise
01:03:43: in Größen 99,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, also was Wahnsinn ist. Und das hat eben natürlich
01:03:50: auch entsprechend Wachstumseffekte gehabt und war ein Grund, warum es eben in den USA so viel
01:03:54: besser ging, wirtschaftlich. Und das zeigt nur, dass man jetzt Schulden nicht verteufeln sollte.
01:04:00: Man sollte sie aber auch jetzt nicht heroisieren und wir sagen, mehr Schulden sind die Lösung.
01:04:05: Das ist es nie. Also mehr Schulden per se ist nie die Lösung. Es geht eben darum, dass man die
01:04:12: Flexibilität braucht, um eben Zukunftsausgaben stemmen, finanzieren zu können, um eben Sachen
01:04:20: tun zu können, die eben auch lange ausstrahlen. Und genau darum geht es ja jetzt in diesem Paket,
01:04:25: um Sicherheit und um Infrastruktur. Und ganz nebenbei gesprochen wird eben, dass auch,
01:04:31: wenn alle Beobachter recht haben, am Ende eben auch ganz spürbare Wachstumseffekte haben.
01:04:38: Löst Geld Deutschlands Probleme haben wir in diesen Erfolge gefragt. Letzte Frage. Wo stehen
01:04:45: wir in der Frage in einem Jahr? Ich glaube, wir stehen in einem Jahr besser da als heute,
01:04:52: was die wirtschaftlichen Zahlen angeht. Und es wird ein Teil des Sondervermögens und praktisch
01:04:57: jetzt der Kreditmöglichkeiten im Verteidigungsbereich, das wird dann schon auf die Straße gekommen sein.
01:05:02: Das wird wirtschaftliche Effekte gehabt haben, das wird das Wachstum ein Stück weit nach oben
01:05:07: gezogen haben. Also ich glaube, es wird dann besser sein als heute. Also wir werden rauskommen aus
01:05:12: dieser Stagnation, die wir in den letzten Jahren hatten und die ja auch wirklich sich reingefressen
01:05:17: hat allmählich in die Gesellschaft. Da haben wir jetzt die Chance daraus zu kommen. Und jetzt müssen
01:05:24: wir alle sozusagen daran arbeiten, dass wir so gut wie möglich eben rauskommen und dass eben aus
01:05:30: diesem Geld eben auch so viel wie möglich gutes Wirtschaftswachstum wird. Und diese haken uns
01:05:36: das Aufgabe, die ist insbesondere wichtig für die Koalition und für die nächste Bundesregierung.
01:05:42: Jens Süddeckum, vielen Dank für diese Folge. Danke für ihre Erklärungen. Gut,
01:05:48: auch, dass Sie das weiter im Blick haben und deinem Zweifel auch mal durchläuteln, wenn das ganz
01:05:52: schief läuft. Auch wir werden darauf achten, was machen, denn die Verhandler jetzt daraus,
01:05:58: noch wissen wir es nicht, denn Redaktionsschluss für die Folge war Dienstag der 25. März um 17.30
01:06:05: und die neue Regierung steht noch nicht. Die Redaktion für die Folge hatten Felix Schlagwein und
01:06:11: Melissa Görlein. Executive Producerin ist Marie Schiller, Producer Patrick Zahn, Lukas Hambach,
01:06:17: Sounddesign Hannes Husten. Und wenn ihr bei uns werben wollt, dann könnt ihr das gerne machen.
01:06:21: Wendet euch gerne an die Mitvorgnügen GmbH und das Ganze ist eine Produktion der Webmedia GmbH.
01:06:27: Danke, Süddeckum. Ich danke Ihnen, Frau Wöln.
01:06:29: [Musik]
01:06:44: [laughs]